weil das wetter ja unerschrocken gut geblieben ist, habe ich am freitag abend meine pläne geändert und statt des rucksacks für die bahnfahrt nach erbach am samstag morgen die radtaschen gepackt. endlich einmal wollte ich die gesamte strecke mit dem liegerad absolvieren — teile davon bin ich ja schon gefahren, vor allem von erbach nach darmstadt. also habe ich mir eine route ausgedacht, die 79,1 kilometer verhieß und natürlich einen schönen anstieg im letzten drittel.
am samstag morgen brauchte ich dann zwar recht lange, bis ich endlich mal in die gänge kam. aber sobald ich dann gegen halb zehn auf dem liegerade saß, ging es mir bestens. warum auch nicht? — die sonne schien vom blauen himmel herab, es war noch nicht sehr warm, aber angenehm; mich erwartete eine schöne tour und ich hatte eigentlich den ganzen tag zeit. also ließ ich es sehr unhektisch angehen und rollte los — über die theodor-heuß-brücke durch kastel, in kostheim über den main und dann ersteinmal in richtung bischofsheim geradelt. so weit war das überhaupt kein problem, hier kannte ich mich ja noch ungefährt aus. von bischofsheim ging es dann erst einmal nach groß gerau. und zwar immer geradeaus. wirklich geradeaus. denn die l3482 macht hier keine krumme sachen.
hinter groß gerau wollte ich eigentlich auf der b42 über weiterstadt nach darmstadt weiterfahren. aber das schien mir dann dort nicht mehr so opportun: die budnesstraße war arg viel befahren, mit wenig platz für radler. und zufällig traf ich dort, kurz vor der a67, auch auf den fahrradweg nach darmstadt. also habe ich den genommen und blieb westlich der autobahn. der radweg führte mich dann über griesheim nach darmstadt rein. und war so ein radweg, den ich nicht besonders mag. denn immer wieder die scharfen ecken, nur um ein feld weiter wieder die ursprünglich richtung aufzunehmen — da wird der schöne rhythmus immer wieder unterbrochen. immerhin war wenig verkehr — außer den spargelerntebusse, die in großen staubfahnen durch die felder bretterten, war ich alleine. nur die sonne ließ mich nicht im stich — inzwischen war es warm geworden, so dass ich froh war, mich des langärmligen oberteils entledigen zu können. mit kurzer hose war ich ja sowieso unterwegs.
in darmstadt wollte ich dann besonders schlau sein und die enge und viel befahrene heinrichstraße (es war schließlich samstag!) umgehen. das hat mich allerdings einen kleinen umweg gekostet — irgendwann war ich auf einmal auf der b3. die hat zwar einen schönen radweg, führt aber leider nicht dahin, wo ich hin wollte. irgendwann war ich dann aber glücklich am böllenfalltor und konnte das schöne stück durchs mühltal unter die räder nehmen. dann ging es durch ober-ramstadt — natürlich wieder schrecklich verstopft mit den doofen blechdosen — in richtung hahn. dort, am anstieg hinter ramstadt, dem ersten richtigen hügel dieser tour, merkte ich doch langsam, dass ich schon einige kilometer in den beinen hatte — 43, um genau zu sein. außerdem bekam ich hunger. also oben erst einmal eine erste kurze pause gemacht, den ausblick genossen und die erste banane verspeist. dann ging es wieder hinab, schön flott den wind um die nase wehen lassen, nach hahn, um gleich wieder den nächsten hügel richtung groß-bieberau in angriff zu nehmen. der entschädigte auch wieder mit einer schönen abfahrt in den ort hinein. schön steil vor allem. unten, zwischen den häusern, war dann natürlich wieder blechbüchsen-stau. aber das kannte ich inzwischen ja (wenn ich in groß-bieberau bin, ist immer stau ;-)) und bin ganz frech auf dem bürgersteig dran vorbei ;-). und schon war ich im gersprenztal. also fast daheim, sozusagen.
aber noch nicht ganz. bis brensbach ging es schön locker auf dem fast schon anachronistischen mehrzweckstreifen an der bundesstraße. und dann eben hinauf, hinüber ins mümlingtal. ich hatte mir ausgesucht: von brensbach über böllstein nach michelstadt hinunter. das war eine gute wahl, denn der aufstieg von brensbach nach böllstein dürfte, meiner erinnerung und meinem empfinden nach, der flachste übergang von der gersprenz zur mümling sein. er zieht sich zwar ein bisschen, aber sehr steil ist er nur in ganz kurzen stücken. das war auch ganz gut so, denn wie ich dort merkte, war meine schaltung nicht mehr richtig eingestellt und ich kam nicht ins kleinste kettenblatt. hinauf gekommen bin ich dann aber doch, freilich mit deutlich mehr krafteinsatz als mir lieb war. und die sonne heizte hier ganz schön ein — irgendwie hatte ich da auch mehr wald in erinnerung …
kurz vor böllstein, an der hohen straße, legte ich dann (fast schon traditionell) am dortigen parkplatz meine zweite rast ein, bei der auch die zweite banane dran glauben musste. jetzt, nach 66 kilometern, merkte ich die anstrengung doch schon ziemlich. auch bei der abfahrt war’s dann zu spüren: besonders schnell wurde ich nicht mehr, für die großen gänge fehlte einfach die notwendige kraft, um da noch ordentlich tempo zu geben. und die strecke der b47 über rehbach und steinbach ist auch nicht besonders steil. richtig anstregend wurde es dann aber erst bei den letzten mini-erhebungen zwischen michelstadt und erbach und beim schlussanstieg in erbach selbst. aber da hatte ich das ziel ja schon vor augen. nach 83 kilometern war ich dann angekommen. gebraucht hatte ich dafür noch nicht einmal vier stunden. mit dem zug sind es auch schon mehr als zwei … allerdings habe ich nach dem zugfahren nicht so viel pudding in den beinen. und am nächsten tag weder muskelkater in den oberschenkeln noch einen leichten sonnenbrand auf den armen (der verwundert mich allerdings schon …)
das profil sieht fast schlimmer aus als es war:
aber das habe ich ja oben schon erwähnt. und außerdem wusste ich ja, was auf micht zukommt.
und das ist die gesamte strecke (hier auch bei gpsies: mainz-erbach):