Einkehr im Kloster

Es hat nur zwei Jahre gedau­ert. Aber jetzt habe ich es end­lich mal geschafft, Daniel in Regens­burg zu besu­chen. Vor allem des­halb, weil er die ganze Sache in die Hand genom­men hat und Ulrich und mich ein­fach für ein Wochen­ende ein­ge­la­den hat. So sind wir Frei­tag Mit­tag hier zusam­men in Mainz in den ICE gestie­gen, der uns 3,5 Stun­den spä­ter nach einer schö­nen Fahrt durch Süd­deutsch­land in Regens­burg wie­der ausgs­puckt hat. Daniel, Nas­sim und Vahid erwar­te­ten uns schon am Bahn­hof — das nenne ich Ser­vice. Über­haupt war das rich­tig Urlaub für uns — Daniel hatte alles wun­der­bar vorbereitet …

Jeden­falls stand nach kur­zem Ein­kauf für das Wochen­ende erst ein­mal in Rund­gang durch die Alstadt von Regens­burg auf dem Pro­gramm. Zwar war ich da wohl schon irgend­wann mal gewe­sen, konnte (und kann) mich daran aber über­haupt nicht mehr inter­es­sie­ren. Also durfte ich das ziem­lich schöne Städt­chen noch ein­mal neu ent­de­cken. Und die Dom­or­gel habe ich garan­tiert noch nie gese­hen, die ist näm­lich erst vor kur­zem neu gebaut wor­den: Kom­plett frei­hän­gend, schwebt sie im Sei­ten­schiff des Doms von der Decke und sieht sehr beein­dru­ckend aus. Der Regens­bur­ger Dom ist natür­lich auch sonst sehr inter­es­sant. Und dann gehört natür­lich auch die Stei­nerne Brü­cke (die gerade teil­weise eine Bau­stelle war) dazu. Abge­schlos­sen haben wir den Abend dann im Bier­gar­ten des Hof­bräu­hau­sens, unter ande­rem mit Oktoberfestbier.

Am nächs­ten Mor­gen, Sams­tag, hieß es früh auf­ste­hen für mich: Wir woll­ten uns zei­tig auf den Weg ins Klos­ter Plank­stet­ten bei Ber­ching machen. Und davor wollte ich noch einen klei­nen täg­li­chen Lauf absol­vie­ren. Mein Handy klin­gelte des­halb um 6:30 Uhr udn ich schlüpfte schnell in meine Lauf­kla­mot­ten. Drau­ßen wurde ich dann so rich­tig wach: Es war sau­kalt, so ca. 5 °C — das erste Mal, das der Herbst sich so rich­tig bemerk­bar machte. Und ich war in kur­zer Hose (kein Pro­blem) und ärmel­lo­sem Sin­glet (eher ein Pro­blem) unter­wegs. Dafür hielt ich die Stre­cke ein­fach: Erst­mal schön gerad­aus, über zwei Auto­bah­nen und durch den Hegenau-Park aus Regens­burg hin­aus, leicht hüge­lan mit der auf­ge­hen­den Sonne als Beglei­ter. Hin­ter Regns­burg kam sofort sozu­sa­gen das nächste Dorf, Pent­ling, in Sicht, durch das ich noch einen Schlen­ker legte. Und dann stand ich auf ein­mal vor dem „Wohn­haus des Paps­tes” — so war das natür­lich nicht geplant — aber da stand tat­säch­lich ein Schild vor dem Haus, das die­ses Fak­tum stolz ver­kün­dete. Und auf dem Rück­weg fie­len mir dann auch noch Weg­wei­ser dort­hin auf — das scheint man­che Leute wirk­lich zu inter­es­sie­ren (zu sehen ist natür­lich nix …). Ich war dann zwar nach unge­fähr einer hal­ben Stunde recht zei­tig wie­der in der Woh­nung, aber bis wir dann tat­säch­lich unter­weg waren, dau­erte es doch noch ein biss­chen. Dafür war das Wet­ter wun­der­bar — Son­nen­schein pur, auch die Tem­pe­ra­tu­ren zogen merk­lich an.

Im Klos­ter Plank­stet­ten, eine alte Benediktiner-Abtei, die sich heute vor allem durch ihren regen Gäs­te­be­trieb und den bio­lo­gi­schen Land­bau ihrer Gär­ten etc. aus­zeich­net, wur­den wir freund­lich emp­fan­gen, es war schon alles für uns vor­be­rei­tet. Wir lie­ßen unser Gepäcka­ber erst­mal im Auto und setz­ten uns lie­ber gleich auf die dort ange­mie­te­ten Fahr­rä­der — nicht die bequems­ten Draht­esel, wie wir spä­ter fest­stel­len soll­ten. Und dann ging es los — ein­fach den (Rhein-)Main-Donau-Kanal ent­lang, dem ange­neh­men fla­chen Fahr­rad­weg direkt am Ufer fol­gend. So hat­ten wir eine Menge Spaß, kamen durch Diet­furt, folg­ten der nun im Kanal auf­ge­hen­den Alt­mühl wei­ter, mach­ten bei Mei­hern unsere Mit­tags­rast und radel­ten ein­fach gemüt­lich in der spät­som­mer­li­chen Sonne durch die Ober­pfalz. Irgendwo zwi­schen Mei­hern und Ried­burg, ich ver­mute ca. bei der hal­ben Stre­cke, sind wir dann umge­dreht. Daniel wäre am leibs­ten noch wei­ter­ge­ra­delt, aber wir muss­ten den gan­zen Weg ja auch wie­der zurück. Das war zwar noch nicht wirk­lich weit, aber wir sind ja alle drei keine geüb­ten Rad­fah­rer. Und es war, wie wir dann spä­ter mer­ken soll­ten, auch höchste Zeit für den Rück­weg. Vor allem Daniel hatte zum Schluss doch ziem­lich zu kämp­fen, obwohl wir uns viel Zeit lie­ßen (die hat­ten wir ja auch, es war ja noch nict sehr spät.) Mir tat mitt­ler­weile vor allem der Hin­tern weh — mehr als ein­mal wünschte ich mir mein Lie­ge­rad her­bei … Trotz­dem es ein biss­chen Quä­le­rei war, Spaß gemacht hat die Tour trotz­dem auf jeden Fall. Irgend­wann gegen 16.30 Uhr oder in der Kante waren wir dann auch alle drei wie­der heil im Klos­ter und konn­ten unser Zim­mer bezie­hen. Viel spä­ter hätte es gar nicht wer­den dür­fen, denn Abend­es­sen gibt es — da fol­gen die Mön­che und Non­nen ganz streng ihrem Tages­ab­lauf, pünkt­lich um 18.10 Uhr. Und das woll­ten wiruns natür­lich nicht ent­ge­hen las­sen — es gab leckere Cur­ry­wurst und schöne fri­sche Salate aus den klos­ter­ei­ge­nen Gär­ten. Und dazu noch ein Bier, „gebraut nach der Tra­di­tion des Klos­ters Plank­stet­ten” in Ried­burg, natür­lich auch in Bio-Qualität. Und sehr gut mun­dend. So gut, dass wir danach gleich noch im Gewöl­be­kel­ler damit wei­ter­ge­macht haben. Aber nicht mehr so arg lange, die sport­li­che Betä­ti­gung for­derte ihren (Schlaf-)Tribut.

Am nächs­ten Mor­gen war ich wie­der genauso früh auf den Bei­nen. Aber ich hatte gelernt und zog lie­ber ein T-Shirt an. Zumal es heute nicht nur frisch, son­dern auch neb­lig war. Sehr neb­lig sogar — schon bald hatte ich selt­same Dinge zu beob­ach­ten: Meine Arme glit­zer­ten ganz selt­sam sil­bern: In den Haa­ren hat­ten sich Trop­fen nie­der­ge­setzt. Auch den Wim­pern geschah ähnli­ches, so dass ich immer wie­der Was­ser vor den Augen hatte. Schön war es trotz­dem mal wie­der, so ganz allein Sonn­tags mor­gens am Kanal ent­lang zu lau­fen — ich kam bis Ber­ching, zog dort eine Schleife über den Markt­platz bis zum alten Ludwig-Donau-Kanal, wen­dete bei den noch schla­fen­den Wohn­mo­bi­len und kehrte zurück ins Klos­ter: 13 erhol­same Kilo­me­ter, mit zwei Men­schen, einem Auto und einem Pas­sa­gier­schiff auf dem Kanal. Die Sonne kam auch so ganz lang­sam aus den Federn, bis sie den Nebel auf­ge­löst hatte, waren wir aber schon wie­der unter­wegs. Natür­lich nicht, ohne zuvor aus­gie­big zu frühstücken …

Heute, am Sonn­tag, war Wan­dern ange­sagt. Wir wähl­ten den Belin­g­rie­ser Weg „1”, der uns vom Klos­ter über Biber­ach auf schma­len Pfa­den und recht ver­las­se­nen Wegen in den Wald führte. Im Bogen vor­bei an Kal­dorf sollte die 1 uns eigent­lich nach Beiln­gries füh­ren. Aber irgend­wie haben wir im Plau­dern einen Abzweig über­se­hen — immer­hin haben wir es gemerkt. Aber irgend­wie stimmt dann gar nichts mehr mit der Karte überein, so dass wir doch zurück mar­schier­ten, bis wir den über­se­he­nen Abwzweig fan­den. Dann ging es tatsä­lich hin­un­ter, auf einem schö­nen Fuß­weg in Rich­tung Beiln­gries. Dort wech­sel­ten wir auf die andere Seite des Kanals und mach­ten uns auch schon wie­der auf den Rück­weg in Rich­tung Klos­ter. Auch heute hat­ten wir wie­der herr­li­ches Wan­der­wet­ter erwischt, so dass die unge­fähr 17 Kilo­me­ter (inkl. Ver­lau­fen …) wie im Flug ver­gin­gen, bis wir nach­mit­tags vom Klos­ter aus nach Regens­burg zurück­kehr­ten und uns noch einen gemüt­li­chen Abend bei Nas­sim und Daniel machten.

Denn am nächs­ten Mor­gen, also Mon­tag, hieß es schon wie­der Abschied neh­men: Unser Ticket war für den IC um halb Neun gebucht. Schade, dass das schon wie­der so schnell vor­bei war. Aber schön, dass es end­lich mal geklappt hat ;-) Hof­fent­lich dau­ert es bis zum nächs­ten Mal nicht wie­der zwei Jahre …

Comments

  1. Ulrico sagt:

    Ich wünschte, ich wäre dabei gewe­sen.
    Ulrico

  2. matthias sagt:

    tja, an so etwas Fei­nem dür­fen natür­lich nur beson­ders ausg­wählte und perön­lich gela­dene Gäste teilnehmen …

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