Skip to content

gerade gesehen: drawing restraint 9

noti­zen beim und nach dem sehen:

ziem­lich ver­quere sache, das. aber span­nend. gerade die selt­sam­keit ist ja manch­mal — eigent­lich oft — fas­zi­nie­rend … und selt­same dinge gehen da genug vor sich. kul­tu­relle dif­fe­renz sicher eine rolle: mit den augen eines japa­ners wahr­schein­lich wesent­lich weni­ger exo­tisch. oft ver­rü­ckende mischung aus cho­reo­gra­phiert schei­nen­den bewe­gun­gen und gleich­zei­tig doku­men­ta­ri­schem charakter.

gran­diose, starke bil­der jeden­falls. von anfang bis ende eigent­lich unun­ter­bro­chen. deren fas­zi­no­sum durch die inten­sive mischung von ori­gi­nal­ton mit musik noch poten­ziert wird. musik ist hier auch wesent­lich. und extra­klasse. funk­tio­nierte ja auch solo schon (als „offi­zi­el­les” björk-album). und ent­fal­tet im film den­noch ganz beson­dere magie.

mas­sen — indi­vi­duen kaum aus­zu­ma­chen — , spie­len genau wie die sym­me­trien (vor allem der maschi­nen bzw. anla­gen über­haupt) eine große rolle offenbar.

aus­nahme: zwei haupt­rol­len. aber die sind auch keine wirk­li­chen indi­vi­duen. schlüp­fen von einer rolle in die andere mit auf­wen­di­gem metamorphosen-prozess, näm­lich ver-/umkleidung in irgend eine ent­per­sön­lichte (?) figur. irgend­wann begin­nen sie dann, bis zu hüfte in der alles über­flu­ten­den vaseline-lösung sit­zend, mit ihren mes­sern gegen­sei­tig im kör­per des ande­ren her­um­zu­schlit­zen und zu sto­chern und teile von sich selbst und des ande­ren zu essen.

gerade diese bei­den haben viele archai­sche ele­mente. nicht nur die. über­haupt große teile des fil­mes. der reli­giö­ser ernst, mit dem die kunst hier zele­briert wird: sie ist nicht mehr (nur) ersatz­re­li­gion, sie ist glau­bens­sys­tem pur. und wahr­schein­lich auch eine form der meta­phy­sik — nur wel­cher? und daher rührt wohl der hei­lige ernst aller (!) hand­lun­gen und bil­der. pseudo-mythische über­hö­hung im (pseduo-)zeremoniell?

und die sus­pen­dierte zeit­er­fah­rung eines nor­ma­len men­schen: nach 15 minu­ten des knapp zwei­ein­halb­stün­di­gen films immer­hin schon der titel. dann gerät immer­hin aber auch schon der wal­fän­ger in den blick. erzäh­lung gibt es kaum, bzw. erst in rie­si­gen zeit­span­nen (ver­gleichs­weise zu ande­ren fil­men v.a.) zu erkennen.

ande­rer punkt: aus­beu­tung der natur als neben(?)-thema: ern­ten­der mensch … — aber irgend­wie doch im wech­sel­sei­ti­gen ein­klang (viel­leicht zumin­dest?): „In Japan, we reco­gnize our­sel­ves as part of nature. And by accep­ting the imper­ma­nence of our exis­tence we try to gain a deeper under­stan­ding of the world” weiß der meis­ter der tee­ze­re­mo­nie — dem ein­zi­gen teil des fil­mes, in dem gespro­chen wird.

ein film ohne worte zeigt, dass der spra­che viel zu viel bedeu­tung zuge­schrie­ben wird …

selt­same meta­mor­pho­sen bestim­men alles: wo aus­gangs­punkt genauso wie ziel unklar bleibt, ganz zu schwei­gen von sinn …

achja, dann ist da noch die parallel-handlung: die ent­ste­hung bzw. metar­mo­phose eines bzw. meh­rere selt­sa­mer gebilde (kunst­werke?) aus vase­line oder so auf dem schiff, das erst ent­steht und sich dann auch wie­der auf­löst, sowieso nie eine ein­zige, gül­tige form hat/annimmt  …

und noch ein paar verweise:die film–home­page, einige gesam­melte kri­ti­ken und „no res­traint”, die doku über den film

 matthew bar­ney: dra­wing res­traint 9.2005.

Einen Kommentar schreiben

Die E-Mail-Adresse wird nie veröffentlicht oder weitergegeben. Notwendige Felder sind mit einem * markiert.
*
*