»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Mehr ver­ste­hen als sagen
ist eine Art von Glück
und mit geschlos­se­nen Augen sehen
auch

—Urs Enge­ler, Frohe Gedichte

Twitterlieblinge Juni 2015


(ergie­bi­ger monat, der juni …)

Taglied 20.6.2015

Aidan Baker & Idklang, Where We’re From, The Birds Sing A Pretty Song:

Taglied 18.6.2015

Jonas Kocher & Ilan Manou­ach, Ske­le­ton Draft III:

Ins Netz gegangen (18.6.)

Ins Netz gegan­gen am 18.6.:

  • Ste­fan Nig­ge­meier | Der Ehr­geiz des Ste­fan Raab — ste­fan nig­ge­meier schreibt einen nach­ruf auf ste­fan raab (zumin­dest liest es sich über weite stre­cken so …)
  • Pro­fil, ver­scha­chert für 25 Cent — con­stanze kurz in ihrer faz-kolumne über die selt­same digi­tal­po­li­tik der kanz­le­rin

    Warum sollte sich aber daran in Zukunft nicht mehr nur ein klei­ner Kreis von Kon­zer­nen eine gol­dene Nase ver­die­nen, son­dern plötz­lich – falls end­lich die stö­ren­den Skep­ti­ker aus dem Weg gehen – Big Data zum Segen für die deut­sche Wirt­schaft wer­den? Glaubt die Bun­des­kanz­le­rin, die Big-Data-Könige wer­den ihre Server-Hallen, Cloud-Standorte und Rechen­zen­tren nebst den For­schungs­zen­tren und den klügs­ten Data-Mining-Köpfen, die sie inter­na­tio­nal ein­ge­kauft haben, den deut­schen Unter­neh­mern abtre­ten, wenn diese nur ihre skep­ti­sche Hal­tung ablegen?

  • Rachel Dole­zal: Die Far­ben­frage | ZEIT ONLINE — ein sehr klu­ger, aus­führ­li­cher und abwä­gen­der text von nils mark­wardt über rachel dole­zal, schwarz und weiß und die (aus deutscher/meiner sicht reich­lich merk­wür­dig anmu­tende) dis­kus­sion um »rasse« als iden­ti­täts­mar­ker

    Doch was folgt nun aus dem Gan­zen? Sofern race eine soziale Kon­struk­tion ist, stellt sich die hypo­the­ti­sche Frage, ob das Pas­sing von Rachel Dole­zal nicht zumin­dest dann legi­tim gewe­sen wäre, wenn sie mit offe­nen Kar­ten gespielt hätte, wenn sie also von vorn­her­ein publik gemacht hätte, dass sie als Weiße gebo­ren wurde, sich aber als Schwarze fühlt.
    Doch selbst dann hätte die­ser Fall ein ent­schei­den­des Pro­blem, das sich aus einer his­to­ri­schen Unter­drü­ckungs­ge­schichte ablei­tet. Wenn man solch ein transracial-Konzept radi­kal zu Ende denkt, hieße dies ja, dass letzt­lich jede Form eth­ni­scher Selbst­be­schrei­bung indi­vi­du­ell ver­han­del­bar würde. Und dies würde dann, zumin­dest bis zu einem gewis­sen Grade, eben­falls bedeu­ten, dass letzt­lich auch jene affir­ma­ti­ven schwar­zen Iden­ti­täts­kon­zepte, etwa black­ness oder nég­ritude, die nicht zuletzt auch als Reak­tion auf jahr­hun­der­te­lange Repres­sion durch Weiße ent­stan­den sind, obso­let wür­den oder sich zumin­dest soweit öff­nen müss­ten, dass auch Weiße »I’m proud to be black« sagen könn­ten.
    Sprich: Man hätte, wenn auch unge­wollt und mit den Mit­teln wei­ßer dekon­struk­ti­vis­ti­scher Essen­tia­lis­mus­kri­tik, aber­mals eine Situa­tion, in der Schwar­zen gesagt wird, wie sie ihre Kul­tur zu defi­nie­ren haben.

  • Wie ich Femi­nist wurde | Log­buch Suhr­kamp — ein sehr per­sön­li­cher, auf­schluss­rei­cher und inter­es­san­ter text von tho­mas meine­cke (fast eine art bekennt­nis), im dem es um den weg zum selbst und zum schrei­ben (und auch: dem ver­ste­hen von welt und mensch) geht

    In die­sem ästhetisch-politischen Spalt las­sen sich dis­kur­sive Romane ver­fas­sen, die von ande­ren Din­gen erzäh­len als jene, die von den gro­ßen männ­li­chen, ver­meint­lich geschlos­se­nen, auf jeden Fall sich als auto­nom insze­nie­ren­den Autor-Subjekten (oft als Genies bezeich­net) ver­fasst wur­den (und wei­ter­hin mun­ter ver­fasst wer­den). Die große Bina­ri­tät, wie sie dem an der Kate­go­rie der Klasse ori­en­tier­ten poli­ti­schen Den­ken und Schrei­ben anhaf­tete, wurde nun durch einen genauen Blick auf die klei­nen Unter­schiede, auf sub­tile Ver­schie­bun­gen und Modu­la­tio­nen abgelöst

  • Tre­a­sure In Hea­ven | Lapham’s Quart­erly — peter brown über die »kam­pa­gne« des frü­hen chris­ten­tums und beson­ders hie­rony­mus‹, euer­ge­tis­mus in christ­li­ches almo­sen­ge­ben zu ver­wan­deln

    Alto­ge­ther, to accept Chris­tian pre­aching was to make a major shift in one’s image of society. In terms of the social ima­gi­na­tion, it invol­ved not­hing less than moving from a clo­sed uni­verse to an open one. We begin, in the clas­si­cal world, with a honey­comb of little cities, in each of which the rich thought of nur­tu­ring only their fel­low citi­zens, with little regard to whe­ther any of them were poor. We end, in Chris­tian times, with an open uni­verse, where society as a whole — in town and coun­try­side alike — was seen to be ruled, as if by a uni­ver­sal law of gra­vity, by a sin­gle, bleak divi­sion bet­ween rich and poor. The duty of the Chris­tian pre­acher was to urge the rich no lon­ger to spend their money on their beloved, well-known city, but to lose it, almost heed­lessly, in the face­l­ess mass of the poor. Only that utterly coun­ter­fac­tual gesture — a gesture that owed not­hing to the claims of one’s home­town or of one’s fel­low citi­zens — would earn the rich “tre­a­sure in heaven.”

  • Der Pia­nist Mau­ri­zio Pol­lini im Inter­view — ein sehr, sehr gutes, inter­es­san­tes und intel­li­gen­tes gespräch zwi­schen zwei beethoven-liebhabern, jan brach­mann und mau­ri­zio pol­lini, anläss­lich der voll­en­dung sei­ner auf­nahme aller beethoven-sonate

    Es gibt in Beet­ho­vens Musik Momente, die in die Nähe reli­giö­ser Erfah­rung füh­ren kön­nen. Momente von gestei­ger­tem Enthu­si­as­mus. Ich will das gar nicht leug­nen. Ich per­sön­lich finde, dass man nicht not­wen­di­ger­weise an Reli­gion den­ken muss, um diese Musik zu wür­di­gen. Es ist nur deren Größe, wel­che die ästhe­ti­sche Begeis­te­rung schnell ins Reli­giöse umschla­gen las­sen kann.[…]
    Das Pro­blem liegt darin, dass Beet­ho­vens Werke so viel­ge­stal­tig sind. Er wech­selt Stil und Stim­mung von Stück zu Stück. Es wie­der­holt sich nichts. Des­halb sind diese Sona­ten so schwer zu spie­len. Die Kennt­nis der einen Sonate hilft Ihnen über­haupt nicht wei­ter bei der nächsten.

  • Dop­pelte Unfall­ge­fahr: Helm­trä­ger in Müns­ter öfter im Kran­ken­haus | Rad­helm­fak­ten — eine etwas beun­ru­hi­gende samm­lung von daten der unfall­sta­tis­ti­ken: es scheint so, dass die ver­let­zungs­rate bei helm­trä­gern in unfäl­len deut­lich grö­ßer ist als bei nicht-helmträgern. das wider­spricht schön jeder all­tags­lo­gik — und es ist über­haupt nicht klar, warum das so ist …
  • DER NERD: EINE MINI-PHÄNOMENOLOGIE | Das Schönste an Deutsch­land ist die Auto­bahn — sehr coole über­le­gun­gen von georg seeß­len zum nerd­tum, der pop-)kultur und ins­be­son­dere dem deut­schen nerd:

    Jede Kul­tur hat die Nerds, die sie ver­dient. Den Geist einer Comic-Serie, eines TV-Events, eines Star-Imagos oder einer Buch­reihe, einer Sport­art, einer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik, einer Pro­dukt­li­nie erkennt man an ihren Nerds.[…]
    Der deut­sche Nerd liebt nicht, was er sich erwählt hat, son­dern er hasst, was dem ent­ge­gen oder auch nur außer­halb steht. Der deut­sche Nerd denkt immer hier­ar­chisch. Er will unbe­dingt Ober-Nerd wer­den. Er will das Nerd-Tum orga­ni­sie­ren. Statt Exege­sen pro­du­ziert er Vor­schrif­ten, statt Got­tes­diens­ten sei­nes Kul­tes hält er Gerichte.

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Rosenpracht

Am Wochen­ende im Odenwald:

16. Juni 1904

Ste­phen clo­sed his eyes to hear his boots crush crack­ling wrack and shells. You are wal­king through it how­so­me­ver. I am, a stride at a time. A very short space of time through very short times of space. Five, six: the nach­ein­an­der. Exactly: and that is the ine­luc­ta­ble moda­lity of the audi­ble. Open your eyes. No. Jesus! If I fell over a cliff that beet­les o’er his base, fell through the neben­ein­an­der ine­luc­ta­bly! I am get­ting on nicely in the dark. My ash sword hangs at my side. Tap with it: they do. My two feet in his boots are at the ends of his legs, neben­ein­an­der. Sounds solid: made by the mal­let of Los Demi­ur­gos. Am I wal­king into eter­nity along San­dy­mount strand? Crush, crack, crick, crick. Wild sea money. Domi­nie Deasy kens them a‹. Won’t you come to San­dy­mount, Made­line the mare?

Rhythm begins, you see. I hear. Aca­talec­tic tetra­me­ter of iambs mar­ching. No, agal­lop: deline the mare.

Open your eyes now. I will. One moment. Has all vanis­hed since? If I open and am for ever in the black adia­phane. Basta! I will see if I can see.

See now. There all the time wit­hout you: and ever shall be, world wit­hout end.

They came down the steps from Leahy’s ter­race pru­dently, Frau­en­zim­mer: and down the shel­ving shore flab­bily, their splayed feet sin­king in the sil­ted sand. Like me, like Algy, com­ing down to our mighty mother. Num­ber one swung lour­dily her midwife’s bag, the other’s gamp poked in the beach. From the liber­ties, out for the day. Mrs Flo­rence MacCabe, relict of the late Patk MacCabe, deeply lamen­ted, of Bride Street. One of her sis­ter­hood lug­ged me squea­ling into life. Crea­tion from not­hing. What has she in the bag? A mis­birth with a trai­ling navel­cord, hus­hed in ruddy wool. The cords of all link back, strand­ent­wi­ning cable of all flesh. That is why mys­tic monks. Will you be as gods? Gaze in your ompha­los. Hello! Kinch here. Put me on to Eden­ville. Aleph, alpha: nought, nought, one.

Spouse and help­mate of Adam Kad­mon: Heva, naked Eve. She had no navel. Gaze. Belly wit­hout ble­mish, bul­ging big, a buck­ler of taut vel­lum, no, whitehea­ped corn, ori­ent and immor­tal, stan­ding from ever­las­ting to ever­las­ting. Womb of sin.

Wom­bed in sin dar­k­ness I was too, made not begot­ten. By them, the man with my voice and my eyes and a ghost­wo­man with ashes on her breath. They clas­ped and sun­de­red, did the coupler’s will. From before the ages He wil­led me and now may not will me away or ever. A lex eterna stays about Him. Is that then the divine sub­stance wher­ein Father and Son are con­sub­stan­tial? Where is poor dear Arius to try con­clu­si­ons? War­ring his life long upon the con­trans­ma­gni­fi­cand­je­wbang­tan­tia­lity. Ill­star­red here­si­arch‹ In a Greek water­clo­set he brea­thed his last: eutha­na­sia. With bea­ded mitre and with cro­zier, stal­led upon his throne, wido­wer of a wido­wed see, with upstif­fed omo­pho­rion, with clot­ted hinderparts.

Airs rom­ped round him, nip­ping and eager airs. They are com­ing, waves. The whi­tema­ned seahor­ses, cham­ping, bright­wind­brid­led, the steeds of Mananaan.

I mustn’t for­get his let­ter for the press. And after? The Ship, half twelve. By the way go easy with that money like a good young imbecile.

Yes, I must.

His pace sla­cke­ned. Here. Am I going to aunt Sara’s or not? My con­sub­stan­tial father’s voice. Did you see anything of your artist bro­ther Ste­phen lately? No? Sure he’s not down in Stras­burg ter­race with his aunt Sally? Couldn’t he fly a bit hig­her than that, eh? And and and and tell us, Ste­phen, how is uncle Si? O, weeping God, the things I mar­ried into! De boys up in de hay­loft. The drun­ken little cost­dra­wer and his bro­ther, the cor­net player. Highly respec­ta­ble gon­do­liers! And ske­weyed Wal­ter sir­ring his father, no less! Sir. Yes, sir. No, sir. Jesus wept: and no won­der, by Christ!

I pull the wheezy bell of their shut­te­red cot­tage: and wait. They take me for a dun, peer out from a coign of van­tage.

Ins Netz gegangen (15.6.)

Ins Netz gegan­gen am 15.6.:

  • Uni­ver­si­tät Mainz: Wir­bel um Habi­li­ta­tion eines Theo­lo­gen — FAZ
  • Lyrik: Dich­ter, traut euch ins Zen­trum! | ZEIT ONLINE — so ganz ver­stehe ich nora bossongs posi­tion hier nicht, mir ist da zu viel sic et non drin … irgend­wie geht es also darum, dass lyrik sich mit ihrer außen­sei­ter­rolle nicht all­zu­sehr zufrie­den geben sollte, aber auch nicht all­zu­sehr auf poli­ti­sche, ästhe­ti­scher oder wie auch immer mas­sen­wir­kung um jeden preis abzie­len soll …

    Denn sosehr die Mar­gi­na­li­sie­rung von Lyrik zu miss­bil­li­gen ist, so genießt Lite­ra­tur jen­seits von Ver­kaufs­druck immer auch den Vor­teil grö­ße­rer ästhe­ti­scher Frei­heit.
    […]
    Denn wie soll sprach­lich auf »extrem poli­ti­sche Zei­ten« rea­giert wer­den, wenn beim Rezi­pi­en­ten der Umgang mit Spra­che durch Beschleu­ni­gung, Infor­ma­ti­ons­flut und Auf­merk­sam­keits­hei­sche­rei kon­ti­nu­ier­lich ver­flacht? Dass sich Lyrik, ob kon­ven­tio­nell oder expe­ri­men­tell, die­ser Ent­sen­si­bi­li­sie­rung wider­setzt, zeigt auch ihre poli­ti­sche Dimen­sion. Nur wie weit ist es her mit dem kri­ti­schen Poten­zial von Sprachir­ri­ta­tion, wenn sie kaum jeman­den mehr erreicht? Was ist eine Avant­garde, die zwar noch als ästhe­ti­sche Vor­hut neues Ter­rain erkun­det, doch keine Truppe mehr hin­ter sich hat?

  • Geschichte im Fern­se­hen: History sells — Medien — Süddeutsche.de — ger­hard mat­zig und karo­line bei­sel neh­men den trend zum historien-tv (»rück­wärts­fern­se­hen« nen­nen sie es) zum anlass einer klei­nen, bit­te­ren gesell­schafts­dia­gnose:

    Den­noch ist es bit­ter, dass genau dann, wenn die Pro­bleme der Gegen­wart am größ­ten sind, wenn die Flieh­kräfte der Glo­ba­li­sie­rung wir­ken und wir als Erben des fos­si­len Wahn­sinns vor einem Abgrund ste­hen, wenn Elend, Hun­ger, Krieg und Not auf der hal­ben Welt regie­ren, dass wir genau dann, wenn wir nach vorne schauen müss­ten, um Lösun­gen zu fin­den, die lei­der nicht im Bie­der­mei­er­rah­men des Kup­fer­stich­ka­bi­netts ruhen, uns so sehr mit dem stän­di­gen Zurück­schauen auf­hal­ten. Fern­be­die­nungs­be­quem. Und über­haupt der Welt und der Gegen­wart recht fern.

    dass sie aller­dings etwas sinn­frei von »kon­traf­ak­ti­scher Geschichts­theo­rie« spre­chen, lässt mich sehr an ihrer bil­dung und befä­hi­gung zur gesell­schafts­dia­gnose zweifeln ;-)

  • Auf der Suche nach ver­ges­se­nen Lite­ra­tur­klas­si­kern — katha­rina teutsch berich­tet über das eu-projekt »schwob«, das ver­sucht (wenn ich das rich­tig ver­stehe …), ver­ges­sene oder unbe­kannte wich­tige werke der natio­nal­li­te­ra­tu­ren (wie­der) ins bewusst­sein zu rufen. teutsch spricht dum­mer­weise von »klas­si­kern«, ohne offen­bar zu wis­sen, was das ist — denn eigent­lich sind schon »ver­ges­sene Klas­si­ker« schwie­rig (wenn sie ver­ges­sen sind, sind die ent­spre­chen­den texte ja wohl gerade keine klas­si­ker — zumin­dest nicht mehr, sie waren es höchs­tens mal), die rede von »gänz­lich unentdeckte[n] Klassiker[n]« ist aber nicht mehr nur alber, son­dern ein­fach abso­lut unsinnig …
  • CD-Cover-Kritik: Hel­mut Lachen­manns Gefühle | Auf dem Sperr­sitz — wenn musik­kri­ti­ker sich lang­wei­len oder ihnen vom dau­er­hö­ren die ohren blu­ten, wen­den sie sich den covern zu …
  • Lite­ra­ri­sches Quar­tett: »Die Leute krie­gen jetzt erst mal mich« | ZEIT ONLINE — iris radisch hat mit vol­ker wei­der­mann gespro­chen, der (aus­ge­rech­net der!) im herbst das lite­ra­ri­sche quar­tett im zdf wie­der­be­le­ben soll. das gespräch macht mir wenig hoff­nung, dass das eine lite­ra­tur­kri­tisch rele­vante ver­an­stal­tung wer­den könnte. aber mal sehen, viel­leicht über­ra­schen sie mich ja …
  • Frank­fur­ter Antho­lo­gie: Johann Wolf­gang Goe­the: „Todes­lied eines Gefan­ge­nen“ — FAZ — mathias mayer stellt ind er frank­fur­ter antho­lo­gie ein ziem­lich unbe­kann­tes goethe-gedicht vor: Die­ses Gedicht hat Goe­the nur ein­mal dru­cken las­sen. Dass er sich hier mit Tod und Kan­ni­ba­lis­mus beschäf­tigt, ist unty­pisch für ihn. So kann man den Dich­ter in sei­ner gan­zen Frei­heit bestaunen.
  • Nach Hacker­an­griff: Raus aus der digi­ta­len Hilf­lo­sig­keit — FAZ — frank rie­ger hofft und wünscht, was sich nun hin­sicht­lich des umgangs mit digi­ta­len net­zen, soft­ware und sicher­heit ändern könnte (oder wohl eher sollte, wirk­lich opti­mis­tisch bin ich da nicht …)

    Wirk­lich wirk­sam wären statt­des­sen hohe Inves­ti­tio­nen in lang­fris­tige, effek­tive Abwehr­kon­zepte. Der Kern des Pro­blems ist und bleibt die schlechte Qua­li­tät der Soft­ware, auf der unsere digi­tale Welt beruht, und der Man­gel an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal, um Sys­teme sicher zu kon­fi­gu­rie­ren, zu admi­nis­trie­ren und zu war­ten. Was es des­halb jetzt braucht, ist ein umfang­rei­ches Pro­gramm zur För­de­rung von siche­ren Pro­gram­mier­spra­chen, siche­rer Soft­ware, von Aus­bil­dungs­pro­gram­men für Sicher­heitspe­zia­lis­ten und Gesetze für Haf­tungs­re­geln und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen für Soft­ware und IT-Systeme.

  • Janette Sadik-Khan: Wagt mutige Expe­ri­mente, die güns­tig und schnell umzu­set­zen sind! » Zukunft Mobi­li­tät -
    Janette Sadik-Khan war von April 2007 bis 2013 Beauf­tragte für den Ver­kehr der Stadt New York City. Wäh­rend ihrer Amts­zeit war sie ver­ant­wort­lich für 10.000 Kilo­me­ter Stra­ßen­netz, 800 Brü­cken, 12.000 Kreu­zun­gen, 1,3 Mil­lio­nen Stra­ßen­schil­der und 300.000 Stra­ßen­lam­pen. Und für eine neue Ver­kehrs­po­li­tik in New York City.

  • Mari­lyn Mon­roe Reads Joyce’s Ulys­ses at the Play­ground (1955) | Open Cul­ture — RT @openculture: Mari­lyn Mon­roe Reads Joyce’s “Ulys­ses« at the Play­ground (1955)
  • Die Psy­cho­lo­gie des Über­se­hens — der adfc weist dar­auf hin: warn­wes­ten (und ähn­li­ches) brin­gen rad­fah­rern nichts. so wie in groß­bri­tan­nien die for­scher, die die auf­merk­sam­kei­ten im ver­kehr unter­sucht haben, argu­men­tie­ren, rede ich ja auch immer: wenn ich die rad­fah­rer nicht sehe, weil ich nicht hin­schaue, wo die sind, brin­gen auch warn­wes­ten nichts. das ist ja eigent­lich auch logisch: wenn die warn­wes­ten die sicht­bar­keit wirk­lich erhöh­ten, würde das im umkehr­schluss doch fast bedeu­ten, dass die auto­fah­rer nahezu blind sind …
  • Jac­ques Der­rida inter­views Ornette Cole­man, 1997 (pdf) — sehr inter­es­san­tes gespräch zwi­schen der­rida und cole­man, unter ande­rem über die ent­wick­lung der har­mo­lo­dics, tech­no­lo­gie und das politisch-emanzipatorische poten­zial der musik/des jazz
  • Ornette Cole­man: Schön­heit ist ein sel­te­nes Gut | ZEIT ONLINE — ste­fan hentz wür­digt den revo­lu­tio­nä­ren ornette cole­man

    Als ein Musi­ker, der nicht aus dem Her­zen der Jazz­szene kam, der sich nicht vor­her durch die jah­re­lange Mit­wir­kung in hoch­ge­schätz­ten ande­ren Bands über jeden Zwei­fel hin­weg gespielt hatte, son­dern mit eigen­ar­ti­gen, eige­nen Ideen auf der Bühne erschien, blieb Ornette Cole­man ein Außen­sei­ter der Jazz­szene. Und damit umso wich­ti­ger und reprä­sen­ta­ti­ver für deren afro­ame­ri­ka­ni­sche Seite.

Politik, Macht und Überzeugung: Robert Roßmann über Heiko Maas

ein ganz und gar grot­ti­ger, grau­sa­mer, gräß­li­cher text von robert roß­mann zur ver­tei­di­gung und ver­eh­rung von heiko maas steht heute in der süd­deut­schen zei­tung — völ­lig unan­ge­bracht das alles. denn dahin­ter steht eine posi­tion, die auch in der spd weit ver­brei­tet zu sein scheint: haupt­sa­che regie­ren — was dann gemacht wird/werden kann, ist zweit­ran­gig, macht um der macht wil­len ist die haupt­sa­che (und dann wun­dern sie sich, dass sie nie­mand mehr wählt). inter­es­sant ist hier übri­gens auch die wort­wahl im detail: leutheuser-schnarrenberger hat eine »bru­ta­len Blo­cka­de­po­li­tik« der vor­rats­da­ten­spei­che­rung betrie­ben und ist sogar zurück­ge­tre­ten — das jemand in der bun­des­po­li­tik auf höchs­ter ebene für seine über­zeu­gun­gen ein­tritt, scheint für roß­mann eher ein unfall als ein lobens­wer­ter (charakter-)zu zu sein: die läh­mung der mer­kel­jahre schlägt voll durch … manch­mal ist das echt zum verzweifeln …

Ins Netz gegangen (11.6.)

Ins Netz gegan­gen am 11.6.:

  • Post: Wer ist wich­ti­ger, Mit­ar­bei­ter oder Aktio­näre? — Wirt­schaft — Süddeutsche.de — am kom­men­tar von det­lef ess­lin­ger sieht man dann doch mal einen posi­ti­ven unter­schied zwi­schen der faz (deren punkt war ges­tern: »Noch scha­den die höhe­ren Löhne dem Geschäft der Post offen­bar nicht son­der­lich. Doch man muss kein Wirt­schafts­wei­ser sein, um zum Schluss zu kom­men, dass die hohen Löhne ein Wett­be­werbs­nach­teil für die Post sind.« (http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kommentar-der-streik-gilt-auch-uns-13638813.html) und der süd­deut­schen. er erkennt näm­lich das wahre pro­blem des post-streiks: »Auch die Deut­sche Post AG gehört zu den Akti­en­ge­sell­schaf­ten, die der­zeit an der Spal­tung der Gesell­schaft, zumin­dest an deren Ver­här­tung, mit­wir­ken.« des­halb:
    Der Kon­flikt bei der Post jedoch ist grund­sätz­li­cher Natur. Es geht um zwei Fra­gen: Soll eine Gewerk­schaft mit­re­den, wie ein Kon­zern sich orga­ni­siert? Und was ist davon zu hal­ten, wenn die­ser Kon­zern gleich­zei­tig Zumu­tun­gen für die Mit­ar­bei­ter, aber Wohl­ta­ten für die Aktio­näre bereithält?

  • — achim tack — achim tack nimmt einen bei­trag von fron­tal 21 unter die lupe — und fin­det wenig, sehr wenig sub­stanz: <blockquoe>In der Fron­tal 21 Sen­dung vom 9. Juni 2015 nähern sich die Redak­teure Chris­tian Esser und Daniela Schmidt-Langels in ihrem Bei­trag „Schuls­ter­ben– in Deutsch­land – Bil­dungs­re­pu­blik ohne Bil­dung“ dem wich­ti­gen Thema Schul­schlie­ßun­gen auf dem Land und wer­fen dem Gut­ach­ter­büro Bire­gio aus Bonn vor, der Poli­tik Gefäl­lig­keits­gut­ach­ten zu Dum­ping­prei­sen zu erstel­len. Die bei­den Auto­ren bedie­nen sich in ihrem Bei­trag dabei frag­wür­di­ger Gesprächs­part­ner und Quel­len, ver­schwei­gen für die Geschichte ele­men­tare Zusam­men­hänge und müs­sen sich ihrer­seits fra­gen las­sen, inwie­weit sie einen »Gefäl­lig­keits­bei­trag« für eine Bür­ger­in­itia­tive erstellt haben.</blockquoe>
  • »Keine Aus­weis­pflicht für den Gebrauch der Mei­nungs­frei­heit« | L.I.S.A. — Das Wis­sen­schafts­por­tal der Gerda Hen­kel Stif­tung — patrick bah­ners holt im schrift­li­chen inter­view mit dem l.i.s.a-portal bei der bewer­tung des münkler-watchblogs weit aus. unter ande­rem recht­fer­tigt er die anony­mi­tät der kri­ti­ker (was mich ja wirk­lich gewun­der hat in die­ser pseu­do­de­batte, dass man das immer wie­der tun muss):
    Die Legi­ti­mi­tät der Namen­lo­sig­keit der Blog-Autoren kann nach mei­ner Mei­nung nicht ernst­haft bestrit­ten wer­den. Eine andere Frage ist es, ob die Blog­ger gut bera­ten waren, von der Lizenz zur Anony­mi­tät im gege­be­nen Kon­text Gebrauch zu machen. Das ist eine Klugheitsfrage.

     — auch inhalt­lich hat er übri­gens eini­ges zu sagen, dass eine genaue lek­türe des blogs ver­rät (im gegen­satz zu den aller­meis­ten ande­ren media­len äußerungen …)

  • BND: Mer­kels schlei­chende Staats­krise | Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­nale Poli­tik — daniel lei­se­gang über die deut­schen ille­ga­len spione
    Längst geht es somit in der BND-Affäre um weit­aus mehr, als um ille­gale Spio­nage – näm­lich um den Erhalt der grund­recht­lich ver­an­ker­ten Gewaltenteilung.

    ich bin aller­dings nicht so opti­mis­tisch wie er, wenn er meint: »Lange wer­den sich die Zustän­di­gen beim BND und im Kanz­ler­amt nicht mehr um ihre Ver­ant­wor­tung drü­cken kön­nen.« — es zeigt sich ja immer mehr, dass sie genau das tun

  • fuck you very much — We enjoy the soli­tude.  — 

Taglied 10.6.2015

Bia­gio Marini, Sonata Variata op. 8 (1629):

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