Mehr ver­ste­hen als sagen
ist eine Art von Glück
und mit geschlos­se­nen Augen sehen
auch

—Urs Enge­ler, Frohe Gedichte

Ins Netz gegangen (19.5.)

Ins Netz gegan­gen am 19.5.:

  • Euro­krise: »Es gibt keine ein­deu­ti­gen Geg­ner« | ZEIT ONLINE — joseph vogl im gespräch mit der »zeit«:
    Einer­seits hat es ein gewal­ti­ges Umver­tei­lungs­pro­gramm gege­ben, bei dem pri­vate Schuld­ner – also vor allem die hoch ver­schul­de­ten Groß­ban­ken – mit­hilfe öffent­li­cher Gel­der saniert wur­den. Ande­rer­seits hat man mit der Restau­ra­tion des Finanz­sys­tems auch das alte Schla­mas­sel der Zeit vor 2008 wie­der her­bei­fi­nan­ziert: Es herr­schen heute wie­der die glei­chen Risi­ko­la­gen, die glei­che Insta­bi­li­tät an den Finanz­märk­ten. Para­do­xer­weise ent­steht diese neue Unsi­cher­heit eben genau durch die Maß­nah­men, also das Aus­schüt­ten von viel Geld, mit denen die Krise bekämpft wer­den sollte. Was sich in die­ser Zeit hin­ge­gen tat­säch­lich ver­än­dert hat, ist die Art und Weise, wie wir regiert wer­den. […]
    Wir erle­ben also gerade ein finanz­po­li­ti­sches Dou­ble­bind: Einer­seits gibt die herr­schende Dog­ma­tik vor, dass das Wirt­schafts­wachs­tum nur mit Inves­ti­tio­nen und neuem bil­li­gem Geld zu errei­chen ist. Ande­rer­seits erhöht das glei­che bil­lige Geld die Risi­ko­an­fäl­lig­keit auf den Märk­ten. Die­ses Dilemma kenn­zeich­net also an einem Punkt ihre Macht und gleich­zei­tig ihre struk­tu­relle Ohnmacht.

     — er sagt noch eini­ges mehr, was das inter­view sehr lesens­wert macht. und sehr bezeich­nend ist, dass sol­che eigent­lich emi­nent öko­no­mi­schen (und poli­ti­schen) beob­ach­tun­gen gerade ein kul­tur­wis­sen­schaft­ler machen muss — die »fach­leute« schei­nen da (zumin­dest in der deut­schen öffent­lich­keit) keine posi­tion und/oder stimme zu finden …

  • Wolf­gang Ull­rich: „Urhe­ber­rechte für die sozia­len Netz­werke gänz­lich sus­pen­die­ren“ – iRights.info — der kunst­his­to­ri­ker wolf­gang ull­rich im inter­view mit irights über kunst, inter­net, jus­tiz, das urhe­ber­recht — und tech­no­viking
    Das Urhe­ber­recht denkt auch in den sozia­len Netz­wer­ken viel zu sehr vom klas­si­schen Werk­be­griff her und nicht vom Ort, an dem etwas statt­fin­det. Und da sehe ich die Par­al­le­len zur Pro­ble­ma­tik in der Kunst. Wer etwas in die Social Media plat­ziert, gibt es frei – und die Welt kann damit machen, was sie will. Aber in den meis­ten Fäl­len macht die Welt gar nichts damit. Ab und zu pas­siert dann doch etwas, es ent­steht gar ein Mem.[…]
    Mei­ner Mei­nung nach hinkt bei etli­chen Urtei­len die Recht­spre­chung der Kunst­pra­xis um zwei bis drei Jahr­zehnte hin­ter­her. Und das ist auch beim Tech­no­viking der Fall.

  • Wehr­macht: Die ver­ges­se­nen Sol­da­tin­nen | ZEIT ONLINE — die his­to­ri­ke­rin karen hage­mann erin­nert an die rolle der frauen im zwei­ten welt­krieg
    Nicht nur in der popu­lä­ren Erin­ne­rung wurde das Aus­maß der mili­tä­ri­schen Kriegs­un­ter­stüt­zung von Frauen lange ver­ges­sen, selbst in der umfang­rei­chen Geschichts­schrei­bung zum Zwei­ten Welt­krieg wer­den Frauen zumeist nur als Arbei­te­rin­nen in der Kriegs­in­dus­trie oder Kran­ken­schwes­tern por­trä­tiert. Dies ist um so bemer­kens­wer­ter, als wir heute auf fast drei­ßig Jahre For­schung zum Thema Geschlecht, Mili­tär und Krieg zurück­bli­cken kön­nen und die Ära der Welt­kriege zu den am bes­ten erforsch­ten Perio­den über­haupt gehört. Die­ser Befund gilt nicht nur für die deut­sche, son­dern ähn­lich auch für die inter­na­tio­nale Geschichts­wis­sen­schaft. Wie ist die Ver­drän­gung zu erklä­ren? Warum fällt es vie­len offen­bar noch heute so schwer, sich Frauen als Sol­da­tin­nen vor­zu­stel­len?
    Ein Grund hier­für dürfte die Bedeu­tung sein, die dem Recht, im Dienste des Staa­tes oder einer ande­ren höhe­ren Macht Waf­fen tra­gen und töten zu dür­fen – oder im Kriegs­fall zu müs­sen – für die Mar­kie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­ren­zen zukommt. Seit der Antike ist die­ses Recht männ­lich kon­no­tiert. Die kom­ple­men­täre Rolle der Frauen bestand bis ins frühe 20. Jahr­hun­dert hin­ein vor allem darin, Män­ner zum Kampf zu moti­vie­ren, Ver­wun­dete zu pfle­gen und Gefal­lene zu betrau­ern. […]Teil der Demo­bi­li­sie­rung in der Nach­kriegs­zeit war in allen kriegs­be­tei­lig­ten Staa­ten eine Poli­tik, die die Vor­kriegs­ge­schlech­ter­ord­nung und damit die soziale Sta­bi­li­tät wie­der­her­stel­len sollte. Frauen wur­den aus den Armeen ent­las­sen und muss­ten ihre wäh­rend des Krie­ges ein­ge­nom­me­nen Arbeits­plätze in Indus­trie, Han­del und Ver­wal­tung für die heim­keh­ren­den Vete­ra­nen frei machen, die wie­der allei­nige Fami­li­e­n­er­näh­rer wer­den soll­ten. Die 1950er Jah­ren mit ihrem Wirt­schafts­wun­der wur­den in West­deutsch­land und ande­ren Län­dern West­eu­ro­pas dank einer ent­spre­chen­den Fami­li­en­po­li­tik zum »gol­de­nen Zeit­al­ter« des Modells der »Alleinverdiener-Hausfrau«-Familie.

  • Stra­di­va­ris Cello: Oh, Mara! | ZEIT ONLINE — caro­lin pirich über eines der berühm­tes­ten cel­los aus der stradivari-werkstatt und sei­nen momen­tan­ten besit­zer, chris­tian pol­téra:
    »Das Mara zu spie­len ist wie mit der Stimme eines ande­ren zu spre­chen«, sagt der neue Part­ner des Mara. »Das dau­ert ein, zwei Jahre, bis es nach mir klingt.«

  • Social Media: Das Netz bist du! | ZEIT ONLINE — kilian tro­tier por­trä­tiert den bri­ti­schen anthro­po­lo­gen daniel mil­ler (und seine for­schung), der welt­weit die nut­zung sozia­ler netz­werke erforscht und schon mal eines fest­ge­stellt hat: die regio­na­len nut­zungs­un­ter­schiede sind gewaltig.
  • Eine Lanze für blog­gende Stu­die­rende: Patrick Bah­ners zur Causa Münkler-Watch | Redak­ti­ons­blog — patrick bah­ners legt dar, warum es nicht ganz so abstrus, unver­schämt und ohne vor­bild ist, als blog­gende stu­die­rende mit einem kri­ti­schen blog anonym blei­ben zu wol­len. und macht neben­bei eine inter­es­sante anmer­kung:
    Hei­kel für Münk­ler ist, dass einige der ihm zuge­schrie­be­nen Ein­las­sun­gen, die ihn in kei­nem guten Licht daste­hen las­sen, für Leute, die ihn ken­nen, einen nur allzu glaub­wür­di­gen Sound haben.

  • Nach­ruf auf Odo Mar­quard — Mit Witz zum Den­ken anre­gen — ein Nach­ruf auf den Phi­lo­so­phen Odo Mar­quard beim deutschlandradio
  • Gewalt | Schmalenstroer.net — michael schma­len­s­troer bringt auf den punkt, warum man bei der dar­stel­lung von gewalt­tä­ti­gen momen­ten der geschichte manch­mal sich einer sehr kras­sen spra­che (und/oder bil­der) bedie­nen muss:
    Wenn Digi­tal­Past also bru­tal ist, dann beschwert euch bei euren Groß­el­tern. Weil die bru­tal waren.

  • Streik: Hurra, Deutsch­land liegt lahm | ZEIT ONLINE — sehr guter kom­men­tar zum strei­ken in deutschlnd, unter ande­rem mit die­sem schö­nen und lei­der so abso­lut zutref­fen­den satz: »Die SPD agiert momen­tan also unge­fähr so sozi­al­de­mo­kra­tisch wie Ayn Rand beim Restpostenverkauf.«
  • The Opera Plat­form — schöne initia­tive:
    Die Opern­platt­form ist eine Part­ner­schaft zwi­schen Opera Europa, einem 155 Opern und Fest­spiele umfas­sen­den Netz­werk, dem Kul­tur­sen­der ARTE und 15 Opern­häu­sern aus ganz Europa. Sie wird vom Pro­gramm Krea­ti­ves Europa der Euro­päi­schen Kom­mis­sion unter­stützt und ist für alle Bei­träge offen, die Oper einem brei­te­ren Publi­kum zugäng­lich machen wollen.

  • Bahn-Streik: Danke, Claus Weselsky! — Augstein-Kolumne — SPIE­GEL ONLINE — sehr rich­ti­ger kom­men­tar von jakob augs­tein zur rele­vanz des gdl-streiks & warum die deut­schen der gdl dan­ken sollten

Placebo

Wer sich mal kurz Gedan­ken über Pla­ce­bos und Wirk­sam­keits­nach­weise machen möchte — bitte schön:

Man beachte die mus­ter­gül­tige Angabe der zugrund­lie­gen­den Stu­die per DOI, die noch nicht ein­mal erfun­den ist …

Radfahrer, Unfälle und Schuld

Es ist schein­bar ein Auto­ma­tis­mus bei Pres­se­mel­dun­gen der Poli­zei: Sobald eine Rad­fah­re­rin in einen Unfall ver­wi­ckelt ist, muss unbe­dingt erwähnt wer­den, ob sie einen Helm trug — auch wenn das für den Unfall, die Ver­let­zun­gen und über­haupt voll­kom­men unwich­tig ist (genau­so­gut könnte man übri­gens bei jedem Auto­fah­rer erwäh­nen, ob er Radio hörte oder mit even­tu­ell anwe­sen­den Bei­fah­rern sprach …). Und die Zei­tun­gen über­neh­men das immer wie­der gerne, ohne die dahin­ter­ste­hen­den Über­zeu­gun­gen und Ein­stel­lun­gen zu hin­ter­fra­gen. Denn was soll das bezwe­cken, wenn ich so etwas lese:

Ein 50 Jahre alter Auto­fah­rer über­sah nach ers­ten Ermitt­lun­gen beim ver­bots­wid­ri­gen Abbie­gen von der Saar­straße in die Untere Zahl­ba­cher Straße den dort vor­han­de­nen Rad­weg nut­zen­den Rad­fah­rer, der ohne Helm unter­wegs war. (All­ge­meine Zei­tung Mainz)

Die Schuld­frage scheint abso­lut unstrit­tig zu sein, der Rad­fah­rer ver­hielt sich im Gegen­satz zum Pkw-Fahrer voll­kom­men regel­kon­form. Warum muss dann der nicht getra­gene Helm erwähnt wer­den? Es geht natür­lich darum, zumin­dest impli­zit Schuld zu ver­tei­len: Hätte der Rad­fah­rer einen Helm getra­gen, wäre er viel­leicht nicht so schlimm ver­letzt wor­den (das ist übri­gens gar nicht immer so ganz klar …). Und noch eine Agenda steht dahin­ter: Rad­fah­rer haben bitte immer einen Helm zu tra­gen, damit sie nicht so unge­schützt sind, wenn die Auto­fah­rer ihre andert­halb Ton­nen schwere Waffe nicht mehr im Griff haben (ok, das war jetzt etwas pole­misch — aber der Punkt ist doch: Nicht die Rad­fah­rer ver­ur­sa­chen diese schwe­ren Unfälle, son­dern die Auto­fah­rer. Also müs­sen sie sich anders ver­hal­ten, nicht das Opfer.)

Wolken

Die Fas­zi­na­tion der Wolken

das her­auf­be­schwoe­ren der wol­ken / geschieht so wie das was in die­sem buch geschieht, / die wol­ken im jura, zwi­schen frank­reich und der schweiz, / und das ist das beste“ — so sind die „48 tief­lie­gende wol­ken für Rudolf Rie­ser von Die­ter Roth — 1969 im Kom­plex der Wol­ken­ge­dichte (u.a. „301 kleine wol­ken“ und „32 tie­fer­lie­gende wol­ken“) über­schrie­ben oder ange­kün­digt. Und genau wie die Frage, was diese vie­len Klein– und Klein­st­texte, Gedichte, Apho­ris­men oder was auch immer eigent­lich mit Wol­ken zu tun habe, ist auch die Frage nach der Fas­zi­na­tion von Wol­ken über­haupt eine ver­wi­ckelte und schwie­rige.1

Denn die Fas­zi­na­tion der Wol­ken ist eine ver­steckte: Sie liegt nicht im Spek­ta­ku­lä­ren, sie betont nicht das Außer­ge­wöhn­li­che — son­dern umge­kehrt das Nor­male und All­täg­li­che. Aber, das ist ja gerade das fas­zie­rende Moment der Wol­ken: Es gibt keine Nor­ma­li­tät, kei­nen All­tag. Es gibt nur ein­zig­ar­ti­ges — so wie keine Schnee­flo­cke der ande­ren gleicht ist auch keine Wolke mit der vor­he­ri­gen oder nächs­ten iden­tisch. Und auch das ist ein wesent­li­cher Teil der Fas­zi­na­tion: Wol­ken sind Indi­vi­duen — wie Men­schen. Und wie bei Men­schen ist die Indi­vi­dua­li­tät mehr oder weni­ger sicht­bar, gibt es auch bei den Wol­ken Ähn­lich­kei­ten und Ver­wandt­schaf­ten, aber auch Unter­schiede und aus­schlie­ßende Abgrenzungen.

Jede Wolke ist anders als die benach­barte oder die gest­rige, jeder Tag bringt ein neues Reper­toire der For­men und Far­ben her­vor: Das satte Gelb in der Abend­däm­me­rung kurz vor dem Som­mer­ge­wit­ter, das reine Weiß über den schnee­be­deck­ten Alpen, die bedroh­li­che Grau­schwärze — kaum etwas kön­nen Wol­ken nicht sein oder schei­nen. So sind sie Ele­mente der Phan­ta­sie und aber auch Teil einer gro­ßen, kos­mi­schen Ord­nung. Das heißt, anders gewen­det: Wol­ken sind freie, poe­ti­sche Objekte — und doch sor­tier­bar, klas­si­fi­zier­bar, bestimm­bar. Wol­ken, selbst die kleins­ten und zar­tes­ten, ver­hauch­ten, sind voll die­ser Gegen­sätze. Und genau des­halb las­sen sie sich gleich­zei­tig träu­men und lesen, las­sen sie sich erken­nen und phan­tas­tie­ren. Etwa als als Bild und als (Wetter-)Zeichen. Denn Wol­ken sind eben auch Mög­lich­keits­for­men: Sie wer­den das, was wir ihnen zu– und ein­schrei­ben. Zugleich sind sie aber auch von sich aus ganz beson­dere Mög­lich­keits­for­men, indem sie die Zukunft des Wet­ters — oder eine mög­li­che Zukunft — in sich tra­gen. Und in die­ser Hin­sicht sind sie eben auch les­bar (oder wären es, wenn ich über die not­wen­dige Erfah­rung und Grund­lage ver­fügte). Vor allem aber laden sie dazu ein, sie in die­sen bei­den Erfah­rung und For­men wahr­zu­neh­men oder zu betrach­ten: Als rela­tio­nale Objekte, die ihre Form, Farbe und ihren Sinn erst durch uns erfah­ren und als abso­lute Objekte, die Teil eines Sys­tems sind, das wir nicht (voll­ends) ent­zif­fern, erklä­ren oder ver­ste­hen könn­ten — aber gerne möchten.

In die­sem Gegen­satz liegt auch ihr Dop­pel­cha­rak­ter von Gefahr und Rein­heit mit­be­grün­det. Genau wie Wol­ken für Wan­del und Bewe­gung ste­hen, sind sie auch vom Men­schen unbe­rührte (ja, sogar unbe­rühr­bare), unbe­ein­flusste „Dinge“, die ihre eigene Makel­lo­sig­keit und gra­vi­tas behal­ten. Und doch kön­nen sie im Nu all das ver­lie­ren und zur rei­nen, tota­len Bedro­hung wer­den — im Un-Wetter, im Auf­ruhr der Elemente.

Wol­ken sind noch mehr und ihr Gegen­teil: Sie sind Welt und doch nicht Welt, wirk­lich und unwirk­lich, nah und fern, hier und nicht-hier/dort/fort. Ihr Wesen ist die unab­läss­li­che Trans­for­ma­tion, ein per­ma­nen­tes Mor­phen: Bewe­gung in sich und über uns. Immer sind Wol­ken aber auch ein­fach das Andere: Sie sind nicht irdisch, aber doch eine unab­ding­bare Vor­aus­set­zung der Welt. Das abso­lut ver­zau­bernde Fas­zi­no­sum ist aber ihre Art der Bewe­gung — die mag zwar natur­wis­sen­schaft­lich erklär­bar sein und phy­si­ka­li­schen Geset­zen gehor­schen, mir erscheint sie aber immer inso­fern außer­ge­wöhn­lich, als sie ihre Gesetz­mä­ßig­kei­ten so voll­kom­men ver­birgt. Ihre Bewe­gung ist (bzw. eben: scheint) ohne Antrieb, ohne Basis, auch ohne Refe­renz: Wol­ken sind ein­fach Zuschrei­bungs­flä­chen. Das macht sie span­nend und ihre Erfah­rung ein­zig­ar­tig. Noch eine Erfah­rung, die Wol­ken ermög­li­chen: Das Gefühl, in die Wolke zu tau­chen, beim Wan­dern, beim Rad– oder Ski­fah­ren: Der Ver­lust der Welt, das Zurück­ge­wor­fen­sein auf sich selbst, die Leere, unbe­schrie­ben und nicht beschrift­bar — ein wun­der­ba­res Glei­ten, das in die­sem Falle sozu­sa­gen sys­tem­be­dingt ist.

Wol­ken kön­nen aber viel mehr: Wol­ken machen Unend­lich­keit, die end­lose Weite des Him­mels erst sicht­bar. Und sie machen den Him­mel drei­di­men­sio­nal, ver­wan­deln ihn erst von einer „Flä­che“ (oder eigent­lich ja eher einer Pseu­do­flä­che) zum Raum — kaum etwas ist lang­wei­li­ger als ein rei­ner, leere blauer Him­mel … Aber in und mit den Wol­ken wird eben auch die Tiefe des Raums und nicht zu Letzt auch die Ent­fer­nung zum Hori­zont erleb– und erfahr­bar. Diese unge­heure natür­li­che und kul­tu­relle Mul­ti­pli­zi­tät, die Viel­falt der For­men und Far­ben, Bewe­gun­gen und Bedeu­tun­gen hat übri­gens Felix Hart­laub in sei­nen „Kriegs­auf­zeich­nung aus Paris“ (die ja, trotz ihres Titels, kaum etwas mit dem Krieg, dafür umso mehr mit der Stadt und der Natur zu tun haben) wun­der­bar beschrie­ben, wo es etwa heißt: „Lang­same Wol­ken schlep­pen ihre brei­ten, lil­a­brau­nen Schat­ten dar­über hin, die oft mit einer Mulde, einem Wald­stück zusam­men­zu­fal­len schei­nen, sich lang­sam ver­la­gern. Die Hel­lig­kei­ten noch win­ter­lich fahl, der Anblick der las­ten­den Schat­ten macht frös­teln, wäh­rend die hel­len Wol­ken­rän­der ein Gefühl von Hitze, von duns­ti­gem heis­sem Wind her­vor­ru­fen.“ Oder, wie Hart­laub einige Wochen spä­ter, in der som­mer­li­chen Stadt, beob­ach­tet und notiert: „Lang­ge­zo­gene, kör­per­lose Wol­ken, wie blen­dend weisse Schleim­spu­ren, die sich unmerk­lich aus­deh­nen, aus­spin­nen. Das Him­mels­blau dazwi­schen erscheint matt, sei­ner Strah­lung beraubt, wie ver­bli­che­ner Atlas.“ 2 Zur Form– und Bedeu­tungs­viel­falt der Wol­ken gehört sicher­lich auch das roman­tischste Motiv über­haupt, der Voll­mond, der gerade als roman­ti­sches Motiv ohne leicht ver­schlei­ernde Wol­ken oder eine Lücke in der Wol­ken­de­cke kaum denk­bar ist: Wie­der spielt hier das Ele­ment des Raum­mar­kers mit, aber auch die Ambi­va­lenz von Ver­de­cken und Ent­hül­len, die den Wol­ken so unhin­ter­geh­bar ein­ge­schrie­ben ist: Genau wie sie andere (Himmels-)Objekte ver– und ent­hül­len, sind sie selbst ja eben­falls zugleich opak und trans­pa­rent, erkenn­bar und undurchschaubar …

Ob sie nun majes­tä­tisch trei­ben, eilend davon­glei­ten, drän­gend schie­ben, sich sta­peln oder durch­drin­gen — Wol­ken sind immer zugleich sicht­bare Leere. Nicht nur in der Dif­fe­renz, son­dern auch in sich: Wol­ken sind, weil sie nicht sind — nicht mehr oder noch nicht, nicht Luft, noch nicht Regen, Schnee oder Hagel … Damit sind Wolke per­fekte Ele­mente des Zwi­schen, eine span­nende Ver­kör­pe­rung der Dif­fe­renz. Und doch: Obwohl Wol­ken damit Mar­ker von Dif­fe­renz sind, blei­ben sie selbst immer merk­wür­dig unbe­stimmt und gren­zen­los, ihre eige­nen Gren­zen lösen sich in sich selbst auf: Wol­ken blei­ben ohne klare, defi­nierte Abgren­zung zu ihrer Umge­bung. Wol­ken sind damit per­fekte para­do­xale Wesen oder Kon­struk­tio­nen — bewusst, bemerkt, aber ohne es zu wis­sen oder auch ohne, dass wir es beim Betrach­ten der Wol­ken unbe­dingt selbst wissen.

Und dann blei­ben da schließ­lich noch die Fra­gen: Wie weit „reist“ eine Wolke? Wie viel wiegt eine Wolke? Wie groß ist eine Wolke? Wie lange „lebt“ eine Wolke? Leicht und schwer zugleich sind Wol­ken, jeweils hier und dort, zugleich groß, ja rie­sig jen­seits jeder Dimen­sion und doch klein, zart und ver­letzt­lich — im Hauch ver­gäng­lich wie wir Men­schen. Klar ist also gar nichts — noch nicht ein­mal, ob Wol­ken Natur oder Kul­tur sind. Und das ist natür­lich gerade ihr größ­ter Reiz: Wol­ken sind immer (auch) das andere.

  1. Bei Die­ter Roth ist es wohl gerade das Frei­schwe­bende, die Viel­falt der For­men, die Mög­lich­keit, Wol­ken (also die Natur­er­schei­nun­gen) als Pro­jek­ti­ons­flä­che für mensch­li­che Ideen, Gedan­ken udn Phan­ta­sien zu nut­zen, die zu dem Titel führt. Denn Wol­ken spie­len in den Tex­ten eigent­lich keine Rolle (mehr), zumin­dest wer­den sie jen­seits des zitier­ten Mot­tos nicht mehr expli­zit ein­ge­führt. Statt­des­sen geht es — wie bei Die­ter Roths lite­ra­ri­schen Arbei­ten so oft — um epis­te­mo­lo­gi­sche und onto­lo­gi­sche Fra­gen (und natür­lich nicht zuletzt um ästhe­ti­sche Über­le­gun­gen, in denen sich diese Fra­gen tref­fen oder über­schnei­den.
  2. Felix Hart­laub: Kriegs­auf­zeich­nug­nen aus Paris. Ber­lin: Suhr­kamp 2011, S. 78.

Ins Netz gegangen (7.5.)

Ins Netz gegan­gen am 7.5.:

  • Volks­ban­ken: Meine Bank ist krank | ZEIT ONLINE — heinz-roger dohms hat eine (sehr) kleine und nicht sehr pro­fi­ta­ble genos­sesnchafts­bank besucht und berich­tet von deren stel­lung pro­bleme wohl­tu­end unauf­ge­regt und ohne große lösungen …
  • His­to­ri­ker über Erin­ne­rungs­kul­tur: „Mar­tin Luther als Spiel­fi­gur“ — taz.de — der his­to­ri­ker valen­tin gro­eb­ner im gespräch mit jan fed­der­sen über erin­ne­rung, geden­ken und den zusam­men­hang von ver­gan­gen­heit, geschichte und gegen­wart
    His­to­ri­sche Jubi­läen haben ziem­lich viel mit Heils­ge­schichte zu tun, mit kol­lek­ti­ven Erlö­sungs­wün­schen plus Sinn­an­ge­bot.[…]
    Wie viel Platz für Über­ra­schen­des kann denn in den kol­lek­ti­ven Insze­nie­run­gen von Geden­ken sein? 2017 ist Luther-Jubiläum – dann wird es ähn­lich sein. Ein biss­chen zuge­spitzt for­mu­liert: Das Ver­hält­nis zur Ver­gan­gen­heit wird über Gebets­ge­mein­schaf­ten organisiert.

  • Der 8. Mai 1945 – Tag der Befrei­ung? | reso­nanz­bo­den — huber­tus knabe fin­det die bezeich­nung »tag der befrei­uung« für den 8./9. mai 1945 unpas­send und schlägt eine zurück­hal­ten­dere, bit­te­rere les­art der erin­ne­rung an das kriegs­ende vor
    Die Deut­schen tun gut daran, sich von sol­cher Mythen­bil­dung fern­zu­hal­ten. Für sie sollte der 8. Mai vor allem ein Tag der Scham und der Trauer sein. Über 50 Mil­lio­nen Men­schen kamen durch die Poli­tik der dama­li­gen deut­schen Regie­rung ums Leben – eine Last, die zu einer dif­fe­ren­zier­ten und rea­lis­ti­schen Sicht der Geschichte verpflichtet.

  • Varou­fa­kis benimmt sich echt unmög­lich (behaup­ten anonyme Quel­len)… | misik.at — robert misik legt sehr schön dar, wie unge­si­chert und gefähr­lich die angeb­li­chen infor­ma­tio­nen der medien aus der poli­tik, ins­be­son­dere der brüs­se­ler, sein kön­nen:
    Wenn aber der immer glei­che Spin aus den offen­bar immer glei­chen “anony­men” Quel­len kommt, dann sollte Ihnen als Leser klar sein, dass hier Jour­na­lis­ten vor­sätz­lich instru­men­ta­li­siert wer­den, um eine “Sto­ry­line” unter die Leute zu bringen.

  • Making the Right Choices: A John Cage Cen­ten­nial Cele­bra­tion — videos von john-cage-werken — schön gemachte seite von michael til­son tho­mas & new world symphony
  • Plat­ten aus dem Plat­ten­bau — taz.de — andreas hart­mann hat für die taz das kleine, aber sehr feine (vor allem, wenn man auf abge­fah­rene musik so abfährt wie ich …) plat­ten­la­bel karl­re­cords ent­deckt
    Karl ist eines die­ser vie­len klei­nen, aber fei­nen Labels, die es welt­weit gibt und die nach der Krise der Musik­in­dus­trie durch die Digi­ta­li­sie­rung in den nul­ler Jah­ren in einer Nische blü­hen und gedei­hen — wegen des über­ra­schen­den Vinyl-Revivals.

    (ich bin aber immer froh, dass die ihre sachen nicht nur auf vinyl, son­dern auch digi­tal — bei band­camp — anbieten)

  • Die Neu­zeit und die Kul­tur der Unruhe: Das Gesumm der mensch­li­chen Dinge — NZZ.ch — ralf koners­mann über die »ent­de­ckung« der unruhe und ihre beschrei­bung und ana­lyse durch blaise pas­cal
    Das Neue der Neu­zeit war die Beja­hung der Unruhe, nicht jedoch das Emp­fin­den der Unruhe selbst.

  • Digi­tale Agenda der Bun­des­re­gie­rung — Böses Netz — Chris­tian Heise vom Centre for Digi­tal Cul­tures der Leu­phana Uni­ver­si­tät in Lüne­burg kom­men­tiert in der süd­deut­schen zei­tung das total­ver­sa­gen der bun­des­po­li­tik bei digi­ta­len und netz­po­lit. the­men:
    Die Netz­po­li­tik der schwarz-roten Koali­tion ist ein Witz. Sie ist gekenn­zeich­net durch feh­len­den Sach­ver­stand und eine grund­le­gende Abwehr­hal­tung gegen­über der Digi­ta­li­sie­rung. Statt Prio­ri­tä­ten zu deren Aus­bau zu defi­nie­ren, kon­zen­triert sich die Bun­des­re­gie­rung dar­auf, die Poten­ziale des Digi­ta­len zur Kon­trolle und zur Über­wa­chung der Bür­ger zu nutzen.

     — auch der rest ist poin­tiert, tref­fend und sehr lesenswert!

  • Zum Ver­ständ­nis | Post­kul­tur — jan kuhl­brodt:
    Ich ver­steh nicht, was mit Ver­ste­hen gemeint sein soll. […] Ver­ste­hen im ästhe­ti­schen Sinne aber, wäre die Offen­heit der Kunst­werke aus­zu­hal­ten, und ihre Ver­wei­ge­rung, sich in einem instru­men­tel­len Sinn über­set­zen zu las­sen, dass heißt, sich erset­zen zu las­sen durch Hand­lung oder Aussage.

     — ich glaube, dass »wäre« sollte durch ein »ist« ersetzt werden …

  • Spio­nage: Der BND, ein gefähr­li­cher Staat im Staat | ZEIT ONLINE — kai bier­mann sehr poin­tiert zur neu­es­ten wen­dung im spionage-skandal (kann man das eigent­lich noch so nen­nen?)
    Der Fall zeigt, wie krank das Geschäft der Geheim­dienste ist. Er zeigt, wie ver­scho­ben deren mora­li­sche und recht­li­che Maß­stäbe sind. Sehen­den Auges nahm der BND hin, dass ihn die NSA dazu miss­braucht, Unter­neh­men, Behör­den und Poli­ti­ker in Europa aus­zu­spä­hen. Ein Pakt mit dem Teu­fel, dem zuge­stimmt wurde, weil man glaubte, ihn kon­trol­lie­ren und vor allem davon pro­fi­tie­ren zu kön­nen.
    Aber wenn jeder jeden betrügt und aus­trickst, wo blei­ben dann Recht und Gesetz? Rich­tig, auf der Stre­cke. Kei­ner der Betei­lig­ten scherte sich darum, nie­mand inter­es­sierte sich für Grund­rechte der Bür­ger, auch das wurde in den Befra­gun­gen im Unter­su­chungs­aus­schuss klar. […] Wenn nicht ein­mal die Regie­rung ihre Spione im Griff hat, dann hat nie­mand sie im Griff.

  • Ange­sichts der von #Lidl pro­kla­mier­ten… — Bäcke­rei Rich­ter, Kub­schütz — eine schöne reak­tion eines bäcker­meis­ters als reak­tion auf die ziem­lich bescheu­erte (und die ein­kau­fen­den ver­ar­schende) wer­be­kam­pa­gne von lidl

Kritiker

Das Recht eines Kri­ti­kers ist es, seine Grund­sätze einen nach dem ande­ren zu ver­leug­nen, seine Pflicht ist es, keine Über­zeu­gung zu haben.

—Jules Renard, Das Leben wird über­schätzt, 5 [1890]

Wie kann man als Kri­ti­ker zuge­las­sen wer­den und nicht ein­mal die Recht­schrei­be­prü­fung abge­legt haben?

—Jules Renard, Das Leben wird über­schätzt, 59 [1909]

Mailied

Mai­lied

Wie herr­lich leuch­tet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es drin­gen Blü­ten
Aus jedem Zweig,
Und tau­send Stim­men
Aus dem Gesträuch,

Und Freud‹ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‹! o Sonne!
O Glück! o Lust!

O Lieb‹! o Liebe!
So golden-schön,
Wie Mor­gen­wol­ken
Auf jenen Höhn!

Du seg­nest herr­lich
Das fri­sche Feld,
Im Blü­ten­dampfe
Die volle Welt.

O Mäd­chen, Mäd­chen,
Wie lieb‹ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Ler­che
Gesang und Luft,
Und Mor­gen­blu­men
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit war­mem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud‹ und Mut

Zu neuen Lie­dern
Und Tän­zen gibst.
Sei ewig glück­lich,
Wie du mich liebst!

—Johann Wolf­gang Goethe

(Johann Wolf­gang von Goethe)

Twitterlieblinge April 2015

Ins Netz gegangen (23.4.)

Ins Netz gegan­gen am 23.4.:

  • Bis­lang unver­öf­fent­lichte Wehr­machts­ak­ten jetzt online zugäng­lich — das dhi mos­kau und das zen­tral­ar­chiv des russ. ver­tei­di­gungs­min­ste­ri­ums haben bis­her unver­öf­fent­lichte wehr­machts­ak­ten digi­ta­li­siert und stel­len sie (in kürze) online zur ver­fü­gung
    Der Bestand der deut­schen Doku­mente im Zen­tral­ar­chiv des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums umfasst ca. 28.000 Akten und ist ins­ge­samt in 50 Find­bü­cher geglie­dert. Nach dem Abschluss der ers­ten Pro­jekt­phase wer­den am 29. April 2015 die für die For­schung beson­ders wich­ti­gen Unter­la­gen des Ober­kom­man­dos der Wehr­macht (271 Akten) und des Hee­res (988 Akten) sowie der Hee­res­gruppe Mitte (852 Akten) weit­ge­hend online zugäng­lich gemacht. Aus­ge­nom­men sind bis­lang groß­for­ma­tige Kar­ten, deren Digi­ta­li­sie­rung beson­ders auf­wän­dige Tech­no­lo­gien erfor­dert. In einer zwei­ten Pro­jekt­phase fol­gen in Kürze die Bestände der Hee­res­gruppe „Weich­sel“ (54 Akten), des Amts Ausland/Abwehr im OKW (52 Akten), der Waffen-SS und Poli­zei (120 Akten) sowie Beu­te­do­ku­mente der Auf­klä­rungs­ver­wal­tung beim Gene­ral­stab der Roten Armee –GRU (332 Akten).

  • Bun­des­nach­rich­ten­dienst: Neue NSA-Affäre erschüt­tert BND — SPIE­GEL ONLINE — Über­wa­chung: Neue Spio­na­ge­af­färe erschüt­tert BND (und mich auch …)
  • We Can’t Let John Deere Des­troy the Very Idea of Ownership | WIRED — wenn urhe­ber­schutz (und so etwas wie software-patente …) wild lau­fen, freuen sich kon­zerte — denn dann kommt so etwas her­aus:
    John Deere and Gene­ral Motors want to evis­ce­rate the notion of ownership. Sure, we pay for their vehi­cles. But we don’t own them. Not accor­ding to their cor­po­rate lawy­ers, anyway

  • 31 Theo­rie­an­sätze: Woran erkennt man ein Gedicht? — NZZ — der ver­le­ger jochen jung (von jung & jung) hat 31 »theo­rie­an­säatze« (man könnte sie auch the­sen nen­nen) über das wesen von gedich­ten notiert:
    Gedichte strah­len in ihrer Herr­lich­keit, sie kön­nen blen­den (aber nicht blind machen). Bis­wei­len sind sie auch Blender.

  • Jour­na­lis­mus als Kata­stro­phe | Lesen was klü­ger macht — eine erklä­rende abrech­nung mit dem zustand des jour­na­lis­mus heute von georg seeß­len
    Einen Unter­schied zwi­schen „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ und Bou­le­vard kann es dann nicht mehr geben, wenn alle Nach­rich­ten­me­dien einer­seits aus den glei­chen Inter­es­sen und den glei­chen Quel­len ent­ste­hen, und wenn sie ande­rer­seits alle an die glei­chen Kun­den (Anzei­gen auf der einen, Leute die Kau­fen, ein­schal­ten, kli­cken usw. auf der ande­ren) wol­len, wenn sie Down­gra­den von Niveau und Respekt als Über­le­bens­stra­te­gie recht­fer­ti­gen. Dabei wer­den die Tricks der Nach­rich­ten­er­zeu­gung aus mehr oder weni­ger nichts immer selbst­zer­stö­re­ri­scher.[…]
    Kann denen mal viel­leicht jemand sagen, dass die Unter­schei­dung zwi­schen gutem und schlech­tem Jour­na­lis­mus nicht darin lie­gen kann, dass man letzte Gren­zen der Nie­der­tracht über­schrei­tet oder nicht, son­dern darin, dass man seine Arbeit und sei­nen Auf­trag grund­sätz­lich anders versteht?

  • Auf Kante gepresst — Warum der Vinyl-Hype die Schall­platte kaputt­macht | Das Fil­ter — inter­es­sante ein­bli­cke in die schwie­rig­kei­ten, die es mit sich bringt, ein »ver­al­te­tes« medium wie die schall­platte wei­ter zu pro­du­zie­ren — v.a. die pro­bleme, die feh­len­der neu­bau von pro­duk­ti­ons­ma­schi­nen und –werk­zeug ver­ur­sa­chen (von der frage nach mate­rial für zwi­schen­stu­fen ganz abgesehen) …