deine eig­nen kno­chen mußt du wei­ter den­ken, kom­mata
im satz­bau die­ser gegend

—Lutz Sei­ler, im fel­der­la­tein, 16

Twitterlieblinge Januar 2015

Ins Netz gegangen (26.1.)

Ins Netz gegan­gen am 26.1.:

  • Pegida: Wie spricht das »Volk«? | ZEIT ONLINE — the­re­sia enzens­ber­ger wirft einen blick auf spra­che und argu­men­ta­ti­ons­mus­ter der pegida-anhänger:
    Dis­kurs­ana­lyse? Damit Pegida zu begeg­nen, wäre ver­geb­li­che Mühe. Man kann einen Pud­ding nicht an die Wand nageln. Die Spra­che der Wer­bung nimmt keine Rück­sicht auf die Her­kunft ihrer Phra­sen. Ob ein Slo­gan aus der rech­ten oder lin­ken Ecke kommt, ob man sich bei Orwell oder bei Goeb­bels bedient, spielt keine Rolle. Haupt­sa­che, man stif­tet so viel Ver­wir­rung wie mög­lich, stei­gert die poten…
  • Phi­lo­soph Gebauer über Sport-Spektakel: „Weit weg von der Erde“ — taz.de — gun­ter gebauer im taz-interview mit eini­gen rich­ti­gen und guten ant­wor­ten:
    Ich glaube, die gro­ßen Ver­bände tun gut daran, sich Län­der zu suchen, die sport­li­che Groß­ver­an­stal­tun­gen so orga­ni­sie­ren wol­len, dass sie nicht mehr gigan­tisch sind, son­dern dass sie für die Bür­ger eine Berei­che­rung dar­stel­len und für die Ent­wick­lung eines Lan­des posi­tiv sind. Geer­det wird der Sport hin­ge­gen nicht mehr — der Sport ist seit eini­ger Zeit weit weg von der Erde. Bestimmte Dinge wird man nicht mehr zurück­bauen kön­nen, zum Bei­spiel die unglaub­li­che Medi­en­prä­senz. Damit lebt der Sport auch sehr gut, das macht seine gewal­tige Sym­bo­lik aus, und das muss man gar nicht nur bekla­gen. Sport ist bes­ser als Krieg und als Span­nun­gen zwi­schen den Län­dern, es gibt eine Art Welt­ge­spräch des Sports. Der Sport sel­ber ist in den Bereich von Show und Gla­mour gerutscht, viele schei­nen sich dort wohl zu füh­len. Der sport­li­che Wert selbst wird dadurch zurück­ge­drängt, aber nicht entwertet.

  • Jörg Sun­der­meier: „Die Lite­ra­tur­kri­tik droht uns allein zurück zu las­sen“ — Das Sonn­tags­ge­spräch — News — BuchMarkt.de — jörg sun­der­meier, chef des famo­sen verbrecher-verlags, ist mit dem zustand der lite­ra­tur­kri­tik in deutsch­land über­haupt nicht zufrie­den:
    Alle mei­nen den gan­zen Tag irgend­was, Mei­nun­gen sind ja gerade hoch im Kurs, in den Redak­tio­nen ist immer wie­der von der Mei­nungs­stärke von Tex­ten die Rede. Aber Hal­tung zei­gen wenige, denn das hieße ja die Ansich­ten von ges­tern auch jetzt noch zu ver­tre­ten. Oder aber sich selbst zu kri­ti­sie­ren, also sich infrage zu stel­len, sich angreif­bar zu machen…
  • Fre­quently wrong @HistoryInPics com­pany gets $2 mil­lion from inves­tors — RT @keithcalder: Here’s some more info on that shit­pile cal­led @HistoryInPics
  • Netz­neu­tra­li­tät: Freie Fahrt für ein Phan­tom | ZEIT ONLINE — Fried­helm Greis ver­sucht, die deutsch-europäische Debatte um Netz­neu­tra­li­tät und »spe­zi­al­dienste« nach­zu­zeich­nen. So lange man dabei auf Pro­bleme wie deep packet inspec­tion ver­zich­tet, scheint mir das müßig
  • Archi­va­lia: Das Main­zer Evan­ge­liar der Hof­bi­blio­thek Aschaf­fen­burg (Ms. 13) — 
  • Pegida und das Abend­land — Per­ver­sion mit Sys­tem — hein­rich august wink­ler ord­net den abendland-bezug der »pegida«-truppe his­to­risch ein — und spart mit nicht mit ver­wei­sen auf die ver­wand­schaft mit natio­nal­so­zio­alis­ti­schen ideen und über­zeu­gun­gen und sprachgebrauch
  • Frau Meike sagt: Kraut­re­por­ter und die Suche nach der Rele­vanz — noch jemand, der von den kraut­re­por­tern bis­her eher mäßig begeis­ter ist: »Von The­men­viel­falt war weit und breit keine Spur«
  • Ver­bie­tet Han­dys an den Schu­len!- taz.de — die taz hält es für sinn­voll, ein total­ver­bot von han­dys an schu­len zu for­dern. ich finde ja, das reicht nicht. wenn die böse jugend in den pau­sen immer nur in bücher, zei­tun­gen und — hor­ri­bile dictu — comics (d.i. gra­phic novels) schaut, kom­mu­ni­ziert sie nicht mehr mit­ein­an­der. und der stress, wenn man nicht fer­tig wird und bis zur nächs­ten pause vol­ler span­nung war­ten muss, wie es wei­ter­geht im text! also weg mit dem gan­zen gedruck­ten unsinn!
  • James Rho­des on Twit­ter: »A black Bond? Totally unrea­listic.
    God bless Pri­vate Eye… http://t.co/PWl2EnsaoG«
     — RT @bomani_jones: well played, i must say.

Kollektives Gedächtnis

Begriff Erin­ne­rungs­kul­tur
Moderne Struk­tur­merk­male zeich­nen Demo­kra­ti­sie­rung fer­ner des All­tags und der Ver­gan­gen­heit. An Gedan­ken­fra­gen gehö­ren natür­lich selbst­ver­ständ­lich bild­künst­le­ri­sche Werke der Erfah­rung.
Es ist ein Brauch, die Ich-Erfahrung nicht. Sozu­sa­gen hat es nicht damit zu tun und wir tra­gen zur Kol­lek­ti­ven Erin­ne­rung bei. Bedeu­tung kann zu Beginn was auf­taucht. Haupt­säch­lich im 19. Jahr­hun­dert. Natio­nal­denk­mal. […]
Viele Ges­ten das (die) man nicht wirk­lich unter­sucht zwie Zei­ten spä­ter pas­siert. Nach­schauen im gar nicht direkt 70 Jahre späte 1871, da wer­den dop­pelt Zeit ent­fernt. Wie das Denk­mal ent­steht gedenkt heißt. Juden­platz fand ich wirkt, wie Leute das sehen.

—Ništa Nije Ništa, Kol­lek­ti­ves Gedächt­nis (auf: 4 Wol­ves Attack)

Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg.

Den 20. Jän­ner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gip­fel und hohen Berg­flä­chen im Schnee, die Täler hin­un­ter graues Gestein, grüne Flä­chen, Fel­sen und Tannen.

Es war naß­kalt; das Was­ser rie­selte die Fel­sen hin­un­ter und sprang über den Weg. Die Äste der Tan­nen hin­gen schwer herab in die feuchte Luft. Am Him­mel zogen graue Wol­ken, aber alles so dicht – und dann dampfte der Nebel her­auf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.

Er ging gleich­gül­tig wei­ter, es lag ihm nichts am Weg, bald auf-, bald abwärts. Müdig­keit spürte er keine, nur war es ihm manch­mal unan­ge­nehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte.

Anfangs drängte es ihm in der Brust, wenn das Gestein so weg­sprang, der graue Wald sich unter ihm schüt­telte und der Nebel die For­men bald ver­schlang, bald die gewal­ti­gen Glie­der halb ent­hüllte; es drängte in ihm, er suchte nach etwas, wie nach ver­lor­nen Träu­men, aber er fand nichts. Es war ihm alles so klein, so nahe, so naß; er hätte die Erde hin­ter den Ofen set­zen mögen. Er begriff nicht, daß er so viel Zeit brauchte, um einen Abhang hin­un­ter zu klim­men, einen fer­nen Punkt zu errei­chen; er meinte, er müsse alles mit ein paar Schrit­ten aus­mes­sen kön­nen. Nur manch­mal, wenn der Sturm das Gewölk in die Täler warf und es den Wald her­auf dampfte, und die Stim­men an den Fel­sen wach wur­den, bald wie fern ver­hal­lende Don­ner und dann gewal­tig her­an­braus­ten, in Tönen, als woll­ten sie in ihrem wil­den Jubel die Erde besin­gen, und die Wol­ken wie wilde, wie­hernde Rosse her­an­spreng­ten, und der Son­nen­schein dazwi­schen durch­ging und kam und sein blit­zen­des Schwert an den Schnee­flä­chen zog, so daß ein hel­les, blen­den­des Licht über die Gip­fel in die Täler schnitt; oder wenn der Sturm das Gewölk abwärts trieb und einen licht­blauen See hin­ein­riß und dann der Wind ver­hallte und tief unten aus den Schluch­ten, aus den Wip­feln der Tan­nen wie ein Wie­gen­lied und Glo­cken­ge­läute her­auf­summte, und am tie­fen Blau ein lei­ses Rot hin­auf­klomm und kleine Wölk­chen auf sil­ber­nen Flü­geln durch­zo­gen, und alle Berg­gip­fel, scharf und fest, weit über das Land hin glänz­ten und blitz­ten – riß es ihm in der Brust, er stand, keu­chend, den Leib vor­wärts gebo­gen, Augen und Mund weit offen, er meinte, er müsse den Sturm in sich zie­hen, alles in sich fas­sen, er dehnte sich aus und lag über der Erde, er wühlte sich in das All hin­ein, es war eine Lust, die ihm wehe tat; oder er stand still und legte das Haupt ins Moos und schloß die Augen halb, und dann zog es weit von ihm, die Erde wich unter ihm, sie wurde klein wie ein wan­deln­der Stern und tauchte sich in einen brau­sen­den Strom, der seine klare Flut unter ihm zog. Aber es waren nur Augen­bli­cke; und dann erhob er sich nüch­tern, fest, ruhig, als wäre ein Schat­ten­spiel vor ihm vor­über­ge­zo­gen – er wußte von nichts mehr.

[…]

Er saß mit kal­ter Resi­gna­tion im Wagen, wie sie das Tal her­vor nach Wes­ten fuh­ren. Es war ihm einer­lei, wohin man ihn führte. Mehr­mals, wo der Wagen bei dem schlech­ten Wege in Gefahr geriet, blieb er ganz ruhig sit­zen; er war voll­kom­men gleich­gül­tig. In die­sem Zustand legte er den Weg durchs Gebirg zurück. Gegen Abend waren sie im Rhein­tale. Sie ent­fern­ten sich all­mäh­lich vom Gebirg, das nun wie eine tief­blaue Kris­tall­welle sich in das Abend­rot hob, und auf deren war­mer Flut die roten Strah­len des Abends spiel­ten; über die Ebene hin am Fuße des Gebirgs lag ein schim­mern­des, bläu­li­ches Gespinst. Es wurde fins­ter, je mehr sie sich Straß­burg näher­ten; hoher Voll­mond, alle fer­nen Gegen­stände dun­kel, nur der Berg neben bil­dete eine scharfe Linie; die Erde war wie ein gold­ner Pokal, über den schäu­mend die Gold­wel­len des Mon­des lie­fen. Lenz starrte ruhig hin­aus, keine Ahnung, kein Drang; nur wuchs eine dumpfe Angst in ihm, je mehr die Gegen­stände sich in der Fins­ter­nis ver­lo­ren. Sie muß­ten ein­keh­ren. Da machte er wie­der meh­rere Ver­su­che, Hand an sich zu legen, war aber zu scharf bewacht.

Am fol­gen­den Mor­gen, bei trü­bem, reg­ne­ri­schem Wet­ter, trat er in Straß­burg ein. Er schien ganz ver­nünf­tig, sprach mit den Leu­ten. Er tat alles, wie es die andern taten; es war aber eine ent­setz­li­che Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Ver­lan­gen, sein Dasein war ihm eine not­wen­dige Last. –

So lebte er hin …

—Georg Büch­ner, Lenz (1835)

Ins Netz gegangen (13.1.)

Ins Netz gegan­gen am 13.1.:

  • Ein deut­scher Dich­ter bin ich einst gewe­sen | ver­bre­che­rei — Max Herrmann-Neisse:

    Ein deut­scher Dich­ter bin ich einst gewe­sen,
    die Hei­mat klang in mei­ner Melo­die,
    ihr Leben war in mei­nem Lied zu lesen,
    das mit ihr welkte und mit ihr gedieh.

    Die Hei­mat hat mir Treue nicht gehal­ten,
    sie gab sich ganz den bösen Trie­ben hin,
    so kann ich nur ihr Traum­bild noch gestal­ten,
    der ich ihr trotz­dem treu geblie­ben bin.

     — der Verbrecher-Verlag hat jetzt auch ein Verlagsblog …

  • Späte Kriegs­ge­winn­ler — Wie­ner Zei­tung Online — Edwin Baum­gart­ner über die flut an bedruck­tem papier im gedenk­jahr zum ers­ten welt­krieg
    Und so ein­fach ist es auch beim Ers­ten Welt­krieg: Es ist ein Rie­sen­re­ma­suri, ein — wie heißt das bei­nahe deut­sche Wort? — ja, rich­tig: ein Hype.

    /via »der umblät­te­rer«, die das nicht ganz zu unrecht zum feuille­ton des jah­res 2014 wähl­ten (http://www.umblaetterer.de/2015/01/13/die-ergebnisse-der-feuilleton-meisterschaft-2014/)

  • What David Came­ron just pro­po­sed would end­an­ger every Bri­ton and des­troy the IT indus­try — Boing Boing — david came­ron will den bösen buben die ver­schlüs­se­lung ver­bie­ten. dumm nur, dass er halt keine ahnung hat: »David Came­ron doesn’t under­stand tech­no­logy very well, so he doesn’t actually know what he’s asking for«, sagt cory doc­to­row, »it puts the whole nation — indi­vi­du­als and indus­try — in ter­ri­ble jeopardy. «
  • 33. Euro­pas Werte und das Para­dox der Auf­klä­rung | Geschichte wird gemacht — achim land­wehr über euro­päi­sche werte (eigen­tum!) und ihre para­do­xale struktur
  • Schlund | Peter Rich­ter — peter rich­ter hat einen »montags-spaziergang« in dres­den besucht und in die abgründe der pegida-»bewegung« geschaut.
  • Bücher von Pop­mu­si­kern: Wahre Größe gibt es nur schwarz auf weiß | ZEIT ONLINE — ger­rit bar­tels steht etwas hilf­los vor dem phä­no­men, dass schein­bar immer mehr popmusiker/innen bücher schrei­ben und ver­öf­fent­li­chen (wie gleich der erste kom­men­ta­tor bemerkt, hat er mit tho­mas meine­cke das beste bei­spiel ver­ges­sen …)
    Das Kano­ni­sie­ren von Pop und bestimm­ten Pop­sze­nen geht also inten­siv wei­ter. Auch für Musi­ker ist es da attrak­tiv, die flüch­ti­gen Pop­mo­mente auf den Büh­nen und den DJ-Kanzeln fest­zu­hal­ten, die Dreiminuten-Single und den Club-Hit in eine Erzäh­lung zu bet­ten und damit zu sichern. Ein Buch hat eben doch Bestand, ist ein ganz eige­ner Wert.

  • Pegida-Demonstrationen — »Das ist alles ernst zu neh­men« — Der Direk­tor der säch­si­schen Lan­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung, Frank Rich­ter, hat zum Dia­log mit den Anhän­gern der Pegida-Gruppierung auf­ge­ru­fen. »Wir haben es offen­sicht­lich mit einem Pro­blem­stau zu tun«, sagte Rich­ter im Deutsch­land­funk. Man müsse den Bür­gern respekt­voll zuhö­ren, so schwie­rig es auch sein möge.
  • Isla­mi­sie­rung, Mar­ken­schutz und dumme Fra­gen — jür­gen kaube hat recht:
    Gefühle haben ihr eige­nes poli­ti­sches Recht. Die Frage ist nur, ob sich zutref­fende Gedan­ken dar­aus machen lassen.

  • Wie es bei „May­brit Ill­ner“ im ZDF wirk­lich zugeht — der autor ulf erd­mann zieg­ler war bei der illner-redegruppe im zdf als gast gela­den. und kann sku­rile ergeb­nisse berich­ten, die alle hoff­nung auf qua­li­täts­jour­na­lis­mus im talk­for­mat ver­nich­ten.
    Okay, die plötz­li­che Über­frach­tung der Sen­dung mit Sebas­tian Eda­thy und sei­nem Schick­sal ist das eine. Den­noch, man hätte die Kurve krie­gen kön­nen. Wie wäre es etwa mit der Frage gewe­sen: ob, Herr Zieg­ler, was an die­sem Don­ners­tag die Haupt­stadt erschüt­terte, eigent­lich ein gutes Roman­thema sei. Aber mit Sicher­heit, Frau Ill­ner! Die Neben­rolle der Igno­ran­tin, die sich all­wis­send gibt, wäre Ihnen darin sicher.

Ins Netz gegangen (5.1.)

Ins Netz gegan­gen am 5.1.:

  • Kolumne Bes­ser: Wie der Herr, so’s Gescherr — taz.de — das gibt’s auch nicht jeden tag: dass ich deniz yücel zustimme und sei­nen text auch noch gut finde. dank »pegida«-blödsinn ist’s mög­lich (und nötig!) — also lesen!:
    Pegida fin­det die „Lügen­presse“ doof, die „Lügen­presse“ fin­det Pegida doof. Aber es gibt Aus­nah­men: Ste­phan, Wei­mer, Matus­sek, Bro­der, di Lorenzo.

  • 32. Lepanto oder Der fort­ge­setzte Miss­brauch der Ver­gan­gen­heit | Geschichte wird gemacht — achim land­wehr beschäf­tigt sich (not­ge­drun­gen …) mit dem umstand, dass der afd-politiker ein­fach mal ohne anlass in der fas ohne beson­dere his­to­ri­sche kennt­nis über die schlacht von lepanto schreibt.
    Was ler­nen wir aus die­sem ansons­ten gänz­lich zu ver­nach­läs­si­gen­den Beitrag?

    Miss­brau­che nicht die Ver­gan­gen­heit in ver­ein­fa­chen­der und ver­fäl­schen­der Form für bil­lige poli­ti­sche Anlie­gen der Gegen­wart.
    Wenn du schon von die­ser Ver­gan­gen­heit erzählst, dann tue es in mög­li­cher kom­ple­xer, mög­lichst zahl­rei­che Aspekte berück­sich­ti­gen­der Form.
    Wenn du schon einen Arti­kel schreibst, in dem bil­lige Res­sen­ti­ments gegen Andere bedient wer­den, dann schreibe wenigs­tens einen guten Arti­kel. Üble Bei­träge mit üblen Inhal­ten sind eine dop­pelte Belei­di­gung.
    Wenn du etwas aus Lepanto ler­nen willst, dann lerne dies: Es ist wirk­lich für alle Betei­lig­ten bes­ser, auf gegen­sei­tige Aner­ken­nung und Zusam­men­ar­beit zu set­zen als auf gegen­sei­ti­ges Abschlachten.

    Muss man so etwas wirk­lich noch hinschreiben?

  • Kraut von Rüben sor­tiert – Kraut­re­por­ter durch­ge­zählt | Ver­wi­ckel­tes — marc mit eini­gen inter­es­san­ten beob­ach­tun­gen und bemer­kun­gen zu den »kraut­re­por­tern«. eini­ges deckt sich mit mei­ner eige­nen erfah­rung — etwa das genervt­sein von den tilo-jung-plauderstündchen. jeden­falls haben es die »kraut­re­por­tern«, denen ich ja gerne geld bezahlt habe (und so arg viel war es ja auch gar nicht) noch nicht geschafft, zu einem wich­ti­gen teil mei­nes medi­en­kon­sums zu wer­den — ich ver­gesse immer mal wie­der, das zu checken …
  • Höh­len: Geh zum Teu­fel! | ZEIT ONLINE — »Die Welt brauchte viel weni­ger Psy­cho­phar­maka, wenn die Leute öfter in Höh­len gehen wür­den.« >
  • Das Auge liest mit — Nur wenige Lite­ra­ten nut­zen die Ober­flä­che ihrer Texte als eigen­stän­dige Aus­drucks­form oder machen sich die Mühe, die mate­ri­elle Grund­lage ihrer Texte — die Schrift – zu reflek­tie­ren.  — fea­ture von jochen meiß­ner, ca. 54 minuten
  • France’s rock star eco­no­mist Tho­mas Piketty turns down Legion of Honour | World news | The Guar­dian — piketty scheint ein mann mit cha­rak­ter zu sein:
    French eco­no­mist Tho­mas Piketty has spur­ned the Legion of Honour, the country’s hig­hest dis­tinc­tion, on the grounds that the govern­ment should not decide who is honourable.

Ins Netz gegangen (31.12.)

Ins Netz gegan­gen am 31.12. (Auf­räu­men zum Jahresende ..):

  • Jah­res­rück­blick 2014: Blick zurück im Kreis | ZEIT ONLINE — die his­to­ri­ke­rin franka mau­bach ist mit dem gedenk­jahr 2014 nicht so ganz zufrie­den:
    Es ist doch legi­tim, ja sogar gut, über den ritual­haft wie­der­keh­ren­den Kreis der Jah­res­tage ein gemein­sa­mes his­to­ri­sches Reflek­tie­ren zu sti­mu­lie­ren. Das Pro­blem ist nur: Es gelingt nicht mehr. Die his­to­ri­schen Ereig­nisse, derer gedacht wer­den soll, las­sen sich kaum noch in Bezie­hung zuein­an­der set­zen. Die Flieh­kraft des Geden­kens sprengt sie aus­ein­an­der. Das Ein­zel­er­eig­nis wird nur noch kurz auf­ge­ru­fen und kaum mehr in lang­fris­tige Zusam­men­hänge eingeordnet.

    am ende emp­fiehlt sie:

    Wie also kön­nen wir Geschichte schrei­ben, ohne deter­mi­nis­tisch zu den­ken und doch mit lan­gem Atem zu argu­men­tie­ren? Wie kön­nen wir Ereig­nisse in deu­tende Ord­nun­gen fügen und zugleich zum Wider­spruch ein­la­den? Wie kön­nen wir offen blei­ben und uns trotz­dem für eine Per­spek­tive entscheiden?

    Dazu bedarf es eines Stand­punkts, der ent­schie­den ist, sich also über sich selbst auf­zu­klä­ren ver­mag. Und es bedarf einer his­to­ri­schen Urteils­kraft, die peni­bel aus­buch­sta­bierte Details in ihr Vor­her und Nach­her und nach Rele­vanz ord­net. Bei­des kön­nen wir vor­aus­sicht­lich noch brau­chen. Spä­tes­tens dann, wenn die Flieh­kraft des Geden­kens auch den Natio­nal­so­zia­lis­mus von sei­ner Vor– und Nach­ge­schichte isoliert.

  • Rumä­nien: Die unvoll­en­dete Revo­lu­tion — karl-peter schwarz erin­nert beschrei­bend (weni­ger erklä­rend) an die revo­lu­tion 1989 in rumä­nien.
    Vor 25 Jah­ren stürzte der rumä­ni­sche Dik­ta­tor Ceauşescu. Die Revo­lu­tion, die 1989 mit blu­ti­gen Kämp­fen das Land in Chaos und Gewalt stürzte, blieb unvollendet.

  • 2014 – Die hilf­reichs­ten Kun­den­re­zen­sio­nen — Freitext — 
  • Revi­si­ons­be­richte der NSA: War­ten auf die Anklage — nils mink­mar ganz unauf­ge­regt, aber voll­kom­men zustim­mungs­fä­hig und –pflich­tig:
    Doch wenn der Wes­ten seine Iden­ti­tät nicht ver­lie­ren will, sich gegen isla­mi­sche, chi­ne­si­sche, rus­si­sche und sons­tige Tota­li­ta­ris­men abgren­zen möchte, dann kön­nen die nun hin­läng­lich doku­men­tier­ten Über­griffe und Geset­zes­brü­che nur eine Folge haben, näm­lich eine ordent­li­che rechts­staat­li­che Auf­ar­bei­tung ohne Anse­hen der Person.

  • BOX2FLY — Hand­ge­päck­kof­fer aus Well­pappe — coole idee: ein kar­ton, der genau ins hand­ge­päck passt, den platz also bei mini­ma­lem eigen­ge­wicht opti­mal ausnutzt
  • Tod einer Revo­lu­tio­nä­rin — Die Zeit­schrift „Mit­tel­weg 36“ erin­nert an die außer­ge­wöhn­li­che Radikal-Feministin Shul­a­mith Fires­tone : literaturkritik.de — 
  • Unbe­kannte Auto­bio­gra­phie Georg Phil­ipp Tele­manns auf­ge­fun­den | nmz — neue musik­zei­tung — Im His­to­ri­schen Staats­ar­chiv Lett­lands (Riga) wurde eine bis­her unbe­kannte Auto­bio­gra­phie des Kom­po­nis­ten Georg Phil­ipp Tele­mann (1681 – 1767) ent­deckt. Die auto­gra­phe Skizze befin­det sich in Mate­ria­lien aus dem Nach­lass des Rigaer Kan­tors Georg Michael Tele­mann, dem Enkel des berühm­ten Ham­bur­ger Musik­di­rek­tors und Johan­neum­kan­tors. Der Musik­wis­sen­schaft­ler Ralph-Jürgen Rei­psch, Mit­ar­bei­ter des Zen­trums für Telemann-Pflege und –For­schung Mag­de­burg, hat den sen­sa­tio­nel­len Fund sowie eine bis­her gleich­falls unbe­kannte deutsch-französische Lebens­be­schrei­bung in der aktu­el­len Aus­gabe der Zeit­schrift Die Musik­for­schung publiziert.
  • Liquid Ecs­tasy: Töd­li­cher Schluck aus der Fla­sche — Mün­chen — Süddeutsche.de — gran­dios: dass »GBL nicht vom Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz erfasst ist, weil sie in der che­mi­schen Indus­trie … uner­setz­lich ist« — so funk­tio­niert also dro­gen­pli­tik in deutschland
  • ünter-Eich-Preis für Ror Wolf « Lyrik­zei­tung  — Der fan­tas­ti­sche Ror Wolf erhält den Günter-Eich-Preis
  • Jutta Dit­furth: News — LG Mün­chen ent­sorgt die dt. Anti­se­mi­ten: Anti­se­mit ist nur, »wer sich posi­tiv auf die Zeit von ’33 bis ’45 bezieht« (ach, könte man doch nur ale pro­bleme so lösen ..)
  • http://ecowatch.com/2013/lobster-boat-vs-coal-ship/ | Grist — unglaub­lich: Seat­tle ver­senkt sich im Abgrund … — das ist wahr­haf­tig geun­gene (Verkehrs-)Politik
  • 57. Nach­schlag zu einem “fröh­li­chen” Ver­riss « Lyrik­zei­tung & Poe­try News — auch ein »veriss«:
    am Boden liegt ein Bün­del von Zei­tungs­aus­ris­sen, die offen­sicht­lich das feh­lende Klo­pa­pier erset­zen sol­len. Auf einer der Zei­tungs­sei­ten steht ein Gedicht. Ich greife nach dem zur Hälfte zer­ris­se­nen Blatt, ver­su­che den Text – ukrai­nisch – zu lesen, lese ihn mehr­mals, und er kommt mir dabei immer bekann­ter vor. Der Name des Autors wie auch der Gedicht­an­fang fehlt, ist weg­ge­ris­sen. Unter dem Gedicht steht, dass es sich um eine Über­set­zung aus dem Deut­schen han­delt. Vom Namen des Über­set­zers blei­ben bloss ein paar Buch­sta­ben: Wolod… ‒ Doch nun däm­mert es mir: Das ist mein Gedicht. Das ist eins mei­ner Gedichte, zumin­dest ein Teil davon.

  • Feminismus-Debatte: Wir brau­chen kei­nen Zumba-Jesus — taz.de — mar­ga­rete sto­kow­ski:
    Femi­nis­tin­nen vor­zu­wer­fen, sie seien nicht wit­zig, ist auf drei­fa­che Art unan­ge­mes­sen. Ers­tens ist Humor ein­fach eine Frage des Geschmacks. Zwei­tens wie­der­holt sich hier das alt­be­kannte „Lach doch mal“ alt­be­kann­ter Onkels, und drit­tens gibt es denk­bar viele Momente im Leben, in denen Kämp­fen und Lachen ein­an­der ausschließen.

  • Fol­ter bei der CIA: Der Sieg der Ter­ro­ris­ten — FAZ — nils mink­mar denkt über fol­ter nach:
    Es herrscht ein erschre­cken­der Man­gel an poli­ti­scher Phan­ta­sie. Was wird schon hel­fen gegen Mör­der wie Kha­lid Scheich Moham­med? Es fällt uns nur wie­der Gewalt ein. Dabei gibt es längst andere Erkennt­nisse, wie man den Krieg gegen den Ter­ror erfolg­reich füh­ren kann.

  • 500 Jahre alte Naum­bur­ger Chor­bü­cher wer­den digi­ta­li­siert | nmz — neue musik­zei­tung — Es soll ein biblio­phi­ler Schatz für die Ewig­keit wer­den: Die über 500 Jahre alten über­di­men­sio­na­len Naum­bur­ger Chor­bü­cher wer­den restau­riert und digi­ta­li­siert. Die kom­plette Finan­zie­rung muss noch geklärt wer­den, aber ein Anfang ist gemacht. «Mit acht Büchern ist es eine der umfang­reichs­ten mit­tel­al­ter­li­chen Hand­schrif­ten­samm­lun­gen», sagt Mat­thias Lud­wig, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Dom­stifts­ar­chiv Naumburg.
  • Inte­gra­tion durch Sprach­vor­schrif­ten? – Sprach­log — Es ist also klar, dass aus der Per­spek­tive des Sprach­er­werbs keine Not­wen­dig­keit gibt, Migrant/innen dazu „anzu­hal­ten“ oder auch nur zu „moti­vie­ren“, zu Hause Deutsch zu spre­chen. Wir erin­nern uns: 65 Pro­zent tun es ohne­hin, ganz ohne Moti­va­tion sei­tens der Politik.