„Nächstens mehr.“

Literatur, Musik, Theater – die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.

„Lesen macht schon den größten Spaß“

keine Kommentare

das hier ist so etwas wie mein virtuelles ich oder meine heimat im netz. deswegen sind hier ganz verschiedene sachen versammelt: fundsachen, kuriosa, zitate, mein lifestream, meine textuelle produktion und vieles andere mehr – viel spaß beim stöbern!
ich bediene mich dabei oft, aber nicht immer der (radikalen) kleinschreibung, die ich bevorzuge.

momentan liegt bei mir auf dem lektüretisch:

  • Carlo Ginzburg: Der Käse und die Würmer: Die Welt eines Müllers um 1600. 1976.
  • Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen: Roman. 2009.
  • Thomas Schenk: Im Schneeregen. 2010.
  • Ron Winkler: Frenetische Stille: Gedichte. 2010.
  • Geschrieben von matthias

    7. September 2009 um 11:46

    Abgelegt in diverses

    Einmalsocken

    keine Kommentare

    Heute mal ein negativer Erfahrungsbericht: Die Bamboo-Socken von Newline, die der Greif-Shop mir geschenkt hat, taugen gar nichts. Sie sind zwar angenehm zu tragen, aber schon mal im Schuh arg rutschig. Und, das ist das Hauptproblem, sie halten nichts – aber auch gar nichts – aus: Das weiße Paar, das man unten auf den Bildern sieht, hat gerade einmal sage und schreibe knappe 90 Kilometer hinter sich. Das ist also noch nicht einmal eine Woche, die die Socken überlebt haben (zum langen Lauf hatte ich wie oft die CEP-Strümpfe an). Zum Vergleich: Ich habe Skinfit-Socken – die kosten auch nur 9 Euro pro Paar – die schon 2000 Kilometer hinter sich haben. Und immer noch fitter aussehen als diese von Newline, die ja immerhin auch Laufsocken sein sollen. Gut, sie sind in der Woche zweimal richtig nass geworden – aber eben das sollen und müssen Laufsocken doch aushalten! Nun, das tägliche Laufen fordert eben auch Opfer …

    newline-socken rechte sohle
    newline-socken rechte ferse
    newline-socken links

    Geschrieben von matthias

    25. Juli 2010 um 22:46

    Abgelegt in laufen

    Schlagworte: , , , ,

    Im toten Winkel des Lebens

    keine Kommentare

    Im toten Winkel des Lebens, dort, wo man nicht oder nur unter großen Umständen hinschauen kann oder hinschauen mag, spielen sich die Geschichten aus Ulrike Almut Sandigs Band „Flamingos“ ab.

    Es sind auch tatsächlich „Geschichten“ und nicht Erzählungen, darauf legt die Autorin – der Untertitel weist darauf hin – offenbar wert. Zugleich scheint sie die damit verbundene Bedeutung – nämlich „wahre“ Geschichten, reale, lebende, nicht bloß erzählte – aber mit der Anmerkung am Schluss des Bandes wieder zu widerrufen. Oder zumindest zu relativieren: „Alle in diesem Band versammelten Geschichten sind phantastischer Natur. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder historischen Tatsachen sind rein zufällig.“ Möglicherweise ist das aber auch nur die Angst vor den Gerichten … Denn erkennbar ist in den Geschichten kaum etwas – ob die nun „erfunden“ oder „wahr“ sind, ist ohne Belang. Genau das ist aber ein wesentliches Merkmal von Sandigs Kunst: Ihr Realitätssinn. Der allerdings nicht in bloßer Mimesis, im simplen Nacherzählen sich erschöpft. Schon das oben zitierte caveat enthält ja einen Hinweis auf eine ganz wesentliche Komponente ihrer Prosa: das phantastische Moment. Zwar bleiben die elf kurzen und etwas längeren Texte durchweg sehr real, realistisch. Aber sie verbergen nie den Blickwinkel des Phantasten, der Phantastin, die das hier erzählt (oder auch nicht erzählt, sondern nur „niederschreibt“).

    Freilich, das ist vielleicht größtes Kunststück der Autorin, die bisher vor allem als Lyrikerin hervortrat: Phantastisch im Rahmen der Möglichkeiten des realen Lebens. Also, das soll heißen: Sie sind eine Spur unwirklich, aber immer möglich. Unwirklich vor allem aufgrund ihrer Intensität – der Beobachtung und Schilderung, der genauen psychologischen Gestaltung der Figuren, ihrer Handlungen und ihrer Motivationen. Die sind immer schon vertraut, aber nicht banal oder bloß alltäglich: Durch den phantastischen Überschuss minimal vefremdet (wobei verfremdet eigentlich falsch ist: verdeutlicht, stärker konturiert – damit sogar näher, nicht fremder als die bloße „Wirklichkeit“) und damit wirklicher als die Wirklichkeit.
    Man kann nicht sagen, dass das in dem einen oder anderen Text besser oder schlechter gelingt. Besonders deutlich aber wird es etwa in „Mutabor“, der Geschichte zweier Schulmädchen und Freundinnen, das eine (fast) blind, die andere an ihrer Seite – bis ein eigentlich gutmütiger Musiklehrer die blinde Anja in ihren Unfalltod treibt. Eine sehr tragische, aber unglaublich liebevoll geschilderte Geschichte. Und eine Geschichte, die – so etwas findet bei mir immer besonderen Anklang – mit sich selbst und der Möglichkeit ihrer selbst spielt, also selbstreflexiv das Erzählen der gerade erzählten oder erzählenden Geschichte in den Blick nimmt.

    Die rührende Emotionalität der Sachlichkeit, der den Figuren ganz nahekommenden Distanz, das ist die große Stärke Sandigs. Nirgends wird das wohl deutlicher als in „Vatertod“, einer Geschichte, die den schon im Titel – mit dem merkwürdigen klingenden, nah und distanziert zugleich erscheinenden Wort perfekt beschriebenen – angereissenen Vorgang beschreibt und entfaltet, in seiner Banalität – alle Väter sterben irgendwann – genauso eindrücklich wie in seiner Individualität und bedrückenden Einmaligkeit.

    Wer also gerne eindringliche, eindrucksvolle Geschichten liest, die auch ohne vielfältige äußere Geschehen, ohne große „Ereignisse“ oder dramatische Wendungen ihre Kraft entfalten und von der Wahrhaftigkeit und Lebendigkeit ihrer Figuren leben können, dem sei dieser Band – mit 172 Seiten auch nicht gerade ein unüberwindlicher Wälzer – sehr ans Herz gelegt.

    Ulrike Almut Sandig. Flamingos. Geschichten. Frankfurt am Main: Schöffling 2010. ISBN 9783895611858 (bei Goodreads, bei Amazon)

    Geschrieben von matthias

    25. Juli 2010 um 16:56

    Rebellion in der Villa Musica

    keine Kommentare

    Das hätte man von der Villa Musica nun nicht unbedingt erwartet: Lauter kleine Rebellionen, im Programm und auf der Bühne. Zumindest ein bisschen. Bis zur systemumstürzenden Revolution reichte es dem Trio Kaliya nämlich nicht. Aber das will ja auch keiner. Wohl aber die Grenzen ein bisschen ausreizen und austesten.

    Schon Joseph Haydn, oft alles andere als der gemütliche Papa der Klassik, als der er heute immer noch herumgeistert, hat ja gerne und oft so einiges ausprobiert. Auch und gerade in bewusster Auflehnung gegen die seinerzeit gültigen Trends. Das lässt sich beim D-Dur-Klaviertrio aus op. 40 ziemlich gut beobachten und erfahren. Schon die Satzfolge ist nicht so recht normgerecht: Haydn beginnt mit einem Andante, das sonst eigentlich eher an zweiter Stelle steht. Dafür lässt er dem gleich noch ein zweites Andante folgen und das dreisätzige Trio mit einem aufgebrachten Allegro enden. Das Trio Kaliya spielte das zunächst einmal sehr zivilisert und kultiviert. Im Detail lassen sie das aber auch wieder ganz kantig und aufrührerisch klingen – und formvollendet spannend.

    Der zweite große Rebell in Wien war natürlich Ludwig van Beethoven. Auch er nicht nur auf dem Notenpapier, sondern auch am Instrument. Davon ist noch viel zu spüren im Trio op. 11. Das ist ja eigentlich fast kurios, dass der so betont, bis zum Starrsinn nicht angepasste Beethoven hier ausgerechnet einen Schlager eines ausgesprochen populären „Konkurrenten“, das Terzett „Pria ch‘io l‘impegno“ aus der Oper „L‘amore marinaro“ von Joseph Weigl zur Grundlage des Finales macht. Angepasste Musik ist das für das Trio Kaliya aber dennoch nicht: Mit genau austariertem Klang führen sie vollendete Gestalt der Variationen sehr genau vor. Und vor allem der Pianist Kai Schumacher nutzt auch jede Gelegenheit für virtuose Ausbrüche.

    Am stärksten aufblühen können die drei jungen Musiker aber in Daniel Schnyders „Piano Trio“. Das trägt zwar einen ganz und gar klassischen Namen, verhält sich aber vollkomen anders. In Rebellion gegen die strenge Scheidung zwischen ernster, klassischer Musik und populären Formen hat Schnyder in den Neunzigern des 20. Jahrhunderts versucht, beides zu vereinen – die Ernsthaftigkeit der Klassik und den rasant-körperlich fetzigen Schwung des Funk. Es bleibt zwar Geschmacksache, ob das nötig und gelungen ist. Das Trio Kaliya bietet es jedenfall sehr mitreißend dar: Stürmisch fegen sie durch die glissandi, vor allem Schumacher hat wieder sichtlich eine Menge Spaß an den ungewohnten Rhythmen, die Schnyder in seine harmonisch und motivisch eher traditionell arbeitende Musik mischt: Keine Revolution der Musik, aber schon ein bisschen rebellisch.

    (geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung)

    Geschrieben von matthias

    20. Juli 2010 um 17:50

    Abgelegt in musik

    Schlagworte: , , ,

    Unsinn haufenweise – aber schön geordnet

    keine Kommentare

    Das Periodensystem der Chemiker scheint in letzter Zeit (?) viele dazu zu verleiten, das auf andere Gegenstände zu übertragen – den Jazz zum Beispiel. Oder, wie ich jetzt bei Herrn Rau entdeckte, auf den gesammelten Unsinn unserer Zeit. Crispian Jago hat das entwickelt, für sein Blog „Sience, Reason and Critical Thinking“. Bei Herrn Rau übrigens sind gleich die üblichen Kommentare gekommen – das ginge doch nicht, die „richtigen“ Religionen mit so Sachen wie Holocaust-Leugnung und in einen Topf zu werfen.

    Periodensystem des Unsinns

    Geschrieben von matthias

    19. Juli 2010 um 11:12

    Abgelegt in diverses

    Schlagworte: , , , ,

    Es ist vorbei

    2 Kommentare

    und die BBC hat ein sehr schönes Video über die seltsamen Ereignisse in Südafrika gemacht:

    (eigentlich war hier ein youtube-Video des BBC-Beitrages zu sehen. Die FIFA hat sich in ihrer unendlichen Weisheit und Güte aber dazu entschlossen, Urheberrechtsverletzungen zu proklamieren und das Video entfernen lassen. Bei BBC scheint es noch online zu sein, ist aber in Deutschland nicht zu sehen: klick. Gefunden habe ich es aber trotzdemn, allerdings nur in einer kleineren Version:
    )

    Geschrieben von matthias

    14. Juli 2010 um 20:05

    Abgelegt in diverses

    Schlagworte: , , ,

    51 Saiten im Akkord

    keine Kommentare

    Mit 51 Saiten lässt sich eine Menge Musik machen. Die Kombination Harfe und Violine ist zwar nicht so sehr verbreitet, weder heute noch in der Musikgeschichte. Aber es gab doch immer wieder Zeiten, in denen sie favorisiert wurde. Zum Beispiel und vor allem im 19. Jahrhundert, als die Harfe ihre moderne Form bekam. Und etwa in den Pariser Salons, wo das Instrument durchaus beliebt war.
    Das Sommerkonzert in den unklimatisierten und entsprechend aufgeheizten Räumen der Villa Musica trieb die historische Aufführungspraxis vielleicht ein wenig weiter als unbedingt nötig. Aber bei offenen Fenstern war es auszuhalten – und die Vögel im Garten hatten auch etwas davon. Aber ob sie die Kunstfertigkeit der beiden Preisträger des Villa-Musica-Förderpreis zu schätzen wussten? Das menschliche Publikum tat es jedenfalls.

    Es gab schließlich auch einiges zu hören – vorwiegend Unbekanntes allerdings. Denn ein Duo Geige und Harfe findet sich eher aus Zufall, etwa weil beide gleichzeitig Preisträger sind, wie bei Helena Madoka Berg und Christoph Bielefeld. Die jungen, aber versierte Instrumentalisten stellten ihr Können auch solistisch unter Beweis. Helena Berg tat dies mit einer knackig-kantigen, kraftvollen Interpretation der vierten Violinsonate von Eugène Ysaye, während Christoph Bielefeld sich und seine Harfe mit Louis Spohrs C-Moll-Fantasie ins rechte Licht rücke. Der Gedanke an Mozart liegt bei diesem Werk nahe, heute würde so etwas wohl leicht unter den Plagiatsverdacht fallen und bestimmt keinen Innovationspreis gewinnen. Nichtsdestotrotz zeigte Bielefeld sehr genau, dass das auch so schöne und gute Musik ist, die mit einer ganz eigenen klanglichen Poesie aufwarten kann.

    Die Hauptsache des Abends in der Villa Musica waren aber die Duos. Auch hier war Spohr wieder vertreten mit einem gefälligem Potpurri über Themen aus Mozarts Zauberflöte, komponiert für die eigene Konzertpraxis, der Violinvirtuose Spohr war mit der konzertierenden Harfenistin Dorette Scheidler verheiratet. Und das hört man der lose gefügten Reihung durchaus an: Die Harfe darf hier zeitweise auch mal richtig angeben, was auf ihr alles möglich ist.

    Daneben gab es noch viel Französisches zu hören. Besonders herausragend dabei: Camille Saint-Saens „Fantaisie“, eine formal eher lockere Reihung melodisch und harmonsich sehr verführerischer Reize. Bielefeld und Madoka Berg trugen das brillant und inspiriert vor, ließen die leicht fließende Schwärmerei mit ihrer gefangennehmender Mischung aus unterhaltsamen Belanglosigkeiten und suchender Nachdenklichkeit wirbeln und blitzen: Eine Fantasie, die das ganze Konzertprogramm noch einmal wunderbar zusammenfasste.

    (geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung.)

    Geschrieben von matthias

    12. Juli 2010 um 19:17

    Abgelegt in musik

    Schlagworte: , , , , ,

    Switch to our mobile site